Volkskunde wenig, im Gegenteil: Ihr bleibt in dieser Konstellation nur die„ Wahl",entweder ein Mauerblümchen- Dasein im Konzert der Disziplinen zu fristen oder sichals Kronzeuge des eigenen Miẞkredits zu exponieren. Mit diesen Überlegungen zurinterdisziplinären Konstellation, die die Volkskunde zuweilen zum Spielball vonInteressen macht, ist noch nichts über den theoretischen Stellenwert des Konzeptsder Volkskultur ausgesagt, der ja unlängst von Wolfgang Brückner und KonradKöstlin( in: Ethnologia Europaea XIV, 1984, S. 14-31) nachdrücklich in Fragegestellt wurde. Dazu nur soviel: Der Verzicht auf Konzepte wie„ Volkskultur" und,, Arbeiterkultur", die ja weder mit autochthonen Gebilden noch mit ontologischenSetzungen gleichzusetzen sind, würde die Gefahr des Abgleitens in die Beliebigkeitfür sich seiender Sonder- und Teilkulturen mit sich bringen, deren Besonderung, als,, Schichtung innerhalb der Schichtung“( Köstlin) notwendig unbegriffen bliebe, dadie gemeinsame Folie, von der sie sich als Unterschiedene erst abheben, fehlt. Umes mit Bourdieu auszudrücken:„ Unterschiedliches unterscheidet sich durch das,worin es sich gleicht."
17. Edward, P. Thompson, Volkskunde, Anthropologie und Sozialgeschichte.In: Ders., Plebeische Kultur und moralische Ökonomie. Frankfurt- Berlin- Wien1980, S. 295. Ähnliches klingt allerdings auch bei Schindler( wie Anm. 15) an,wenn er schreibt, daß es für die heutige Volkskulturforschung darauf ankäme,„, sichden Fundus der Volkskunde neu zu erschließen und ihn kritisch zu sichten"( a.a.O.,S. 35).
18. Hermann Bausinger, Zur Spezifik volkskundlicher Arbeit. In: Zeitschriftfür Volkskunde 76. Jg., 1980, S. 4.
19. Martin Scharfe, Gedankensplitter zu einer vorläufigen Kongreßbilanz. In:Klaus Beit( Hg.), Probleme der Gegenwartsvolkskunde. Referate der Österreichi-schen Volkskundetagung 1983. Wien 1985, S. 347.
20. Hermann Bausinger, Volkskunde im Wandel. Einleitung zu: Bausin-ger, Jeggle, Korff, Scharfe, Grundzüge der Volkskunde. Darmstadt 1978,S. 14. Vgl. auch Bausinger, Zur Spezifik( wie Anm. 18), S. 9 ff.
21. Orvar Löfgren, On the Anatomy of Culture. In: Ethnologia Europaea XII,1981, S. 31.
22. William F. Ogburn, Cultural Lag as Theory. In: Sociology and SocialResearch 41, 1957, S. 167-174. Deutsch: Die Theorie des„ Cultural Lag". In: HansPeter Dreitzel( Hg.), Sozialer Wandel. Zivilisation und Fortschritt als Kategoriender soziologischen Theorie. Neuwied- Berlin 1967, S. 328–338.
23. Edward P. Thompson, Die„, moralische Ökonomie“ der englischen Unter-schichten im 18. Jahrhundert. In: Ders., Plebeische Kultur( wie Anm. 17),S. 67-130.
24. Helmut Fielhauer, Olaf Bockhorn( Hgg.), Die andere Kultur. Volks-kunde, Sozialwissenschaften und Arbeiterkultur. Ein Tagungsbericht. Wien-München Zürich 1982.
25. Am Beispiel von jugendlichem Bandenwesen und jugendpflegerischem Klub-wesen habe ich versucht, einen Beitrag zur historischen Analyse der Dialektik kultu-reller Konfigurationen zu leisten: Rolf Lindner, Bandenwesen und Klubwesen imWilhelminischen Reich und in der Weimarer Republik. Ein Beitrag zur historischenKulturanalyse. In: Geschichte und Gesellschaft 10. Jg., 1984, S. 352-375.
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