Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
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Herbert LagerHilde Seidl, Kontratanz in Wien. Geschichtliches und Nach-vollziehbares aus der theresianisch- josephinischen Zeit. Österreichischer Bundes-verlag, Wien 1983, 132 Seiten, Abb. und Noten.

Seit dem Wiener Kongreß gilt Wien als Stadt des Walzers. Seine Entwicklung undVorformen hat Reingard Witzmann in ihrer Dissertation Der Ländler in Wien"erstmals dargelegt. Herbert Lager und Hilde Seidl gehen nun noch einen Schritt wei-ter zurück und untersuchen die Tanzformen des 18. Jahrhunderts. Sie stoßen dabeiauch in Wien auf den Kontratanz, der um diese Zeit zu den beliebtesten Gesell-schaftstänzen Europas zählte und als Countrydance von England aus via Parisauch in der Donaumetropole Fuß faßte. Es wäre aber nicht Wien, wenn dieser Tanznicht wieder als, Contredanse française", einem sogenannten Vierpaarkontratanz,eine speziell wienerische Form gefunden hätte, die jedoch bisher in der Tanzliteraturübersehen worden war. Die Entdeckung und Anregung dazu verdanken die beidenAutoren dem Musikhistoriker und Bibliothekar Robert Lach, der in seinem Buch,, Zur Geschichte des Gesellschaftstanzes im 18. Jahrhundert die Voraussetzungenzur Beschreibung der Kontratänze dieses Zeitraumes bot. Die wichtigste Quelle fürdie Rekonstruktion des Wiener Kontratanzes stellt jedoch eine alte Handschrift dar,die eine Sammlung von 100 Vierpaartänzen aus dem Wiener Gesellschaftsleben des18. Jahrhunderts enthält. Mit Hilfe dieser Grundlage und weiterer, penibel zusam-mengetragener Bausteinchen gelingt es Herbert Lager und Hilde Seidl, diesenWiener Vierpaarkontratanz zu rekonstruieren. Um den Tanz nachvollziehbar zumachen, entwickeln sie einen eigenen Tanzschlüssel, vermitteln sie dazu die Figu-rennamen bzw. Tanzschritte und fügen schließlich 20 Tanzbeispiele mit Noten undentsprechender Tanzanleitung an. Dazu wird auch noch über die Englischen Tänzein Wien berichtet und wiederum die Tanzanleitung mitgeliefert. Die beiden Autorenwenden sich mit ihrer Untersuchung in erster Linie wohl an die Tanzpraktiker, umdie Tradition des Kontratanzes in Wien wieder zu beleben. Dieses handliche Büch-lein, das viele instruktive Abbildungen aufweist, bildet aber auch einen wichtigenBeitrag zur Kulturgeschichte des Tanzes in Wien.

Franz Grieshofer

Ferner sind folgende Bücher bei der Österreichischen Zeitschrift für Volkskundeeingegangen:

Brüder Grimm Gedenken Band 3, hg. von Ludwig Denecke, N. G. Elwert Verlag,Marburg, 1981, XVI, 500 Seiten, 10 Abb.(= Schriften der Brüder Grimm Gesell-schaft Kassel, Bd. 5).

Die Beiträge zu diesem vorliegenden dritten Band des, Brüder Grimm Geden-kens", der als Folge zu Brüder Grimm Gedenken Band 1/1963(= Hessische BlätterBd. 54) und Band 2/1975(= Hessische Blätter Bd. 64/65) erscheint, behandeln zu-nächst Themen zu Leben und Werk der Brüder Jacob und Wilhelm, danach zu derenAusstrahlung und Nachwirkung in anderen Ländern sowie zu anderen Angehörigender Grimm- Familie. Den Beschluß bilden zwei Materialzusammenstellungen zu derüberragenden Geltung der Brüder Grimm in ihrer Zeit.

Inhalt: Ludwig Denecke, Jacob Grimm und seine Freunde; Heinz Rölleke, Wil-helm Grimms Traumtagebuch; Robert Friderici, Briefe von Jacob und WilhelmGrimm an Ludwig und Lotte Hassenpflug; Miljan Mojašević, Zum Thema:

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