diesem Gebiet noch viele Lücken zu füllen. Das größte Problem dieses recht jungenForschungszweiges stellt gleichzeitig die einzig gravierende Schwäche dieser Arbeitdar: die mangelhaften und vielfach unzutreffenden Abgrenzungen der Saga-gattungen gegeneinander und die Erstellung eines einigermaßen gültigen Text-korpus für einzelne Gattungen. Ein Vergleich der 27 hier behandelten„ Märchen-sagas“ mit den 24„ originalen Riddarasögur" der 1981 erschienenen DissertationA. v. Nahls( vgl. Rezension in ÖZV XXXVII/ 86, 1983, S. 92) zeigt, daß es sich miteiner Ausnahme um dieselben Sagas handelt, was beide- im Prinzip nicht unrich-tigen Gattungsbezeichnungen fragwürdig macht. Es fällt der neueren Forschungaber immer noch sehr schwer, die in den letzten 150 Jahren von den Herausgebernder Texte geprägten und nicht immer zutreffenden Termini zu überwinden; so hat esauch Glauser leider verabsäumt, einige sehr märchenhafte Sagas aus dem Bereichder Fornaldarsögur und auch der Íslendinga sögur miteinzubeziehen.
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Davon abgesehen unterscheidet sich die vorliegende Arbeit äußerst positiv vonden wenigen anderen Studien zu diesem Thema; der Autor darf für sich in Anspruchnehmen, die erste rezeptions- ästhetisch orientierte deutschsprachige Arbeit zurspätmittelalterlichen isländischen Sagaliteratur vorgelegt zu haben, und dement-sprechend ist ein wesentlicher Teil des Buches, nämlich die ersten 100 Seiten, derisländischen Sozialgeschicht zwischen 1262/64 und 1550( Teil A 2) und dem Problemder Erzählkommunikation( Teil A 3) gewidmet; auch Teil B 6 hinterfragt die Funk-tion der Märchensagas im Hinblick auf die potentiellen Rezipienten. Die dazwischenliegenden 118 Seiten dienen einer Detailuntersuchung der Texte, wobei aberGlauser ebenfalls weitgehend auf Methoden und Ergebnissen der jüngeren Erzähl-forschung fußt und damit strukturelle Gemeinsamkeiten der Texte, nicht nur inbezug auf den Erzählablauf, sondern auch bezüglich der sehr formelhaften Hinweiseauf den Erzählprozeß selbst aufzeigt. Einen äußerst nützlichen Anhang( S. 234bis 317) bietet Glauser mit einem überblickartigen Katalog über die einzelnen be-handelten Märchensagas, der zu jedem Text die Handschriften, Edition, Sekundär-literatur und eine ausführliche Inhaltsangabe bringt; besonders letztere sind sicher-lich nicht nur für den Skandinavisten, sondern noch mehr für den Erzählforscher alsEinstieg in die spätmittelalterliche isländische Volksliteratur von großem Wert.Abgeschlossen wird der Band von ausführlichen Literaturangaben( S. 318-344)und Registern.
Wenn an diesem wertvollen Band schließlich noch eine pedantische und rein for-male Kritik angebracht werden darf, dann an der recht uneinheitlichen Praxis bei derÜbersetzung fremdsprachiger, besonders altnordischer Zitate: Will sich der Autorauch an Nicht- Nordisten wenden, wären alle zu übersetzen gewesen; für die Fach-kollegen allein sind auch die sporadischen Übersetzungen überflüssig.- Trotzdem:Eine klar konzipierte, saubere Dissertation und ein wesentlicher Beitrag zur Saga-forschung.
Rudolf Simek
Erwiderung und Ergänzung zur Besprechung V. H. Pöttlers in der Österr. Zeit-schrift für Volkskunde, Bd. 86, S. 62 ff., über„ Gegenwärtige Probleme derHausforschung in Österreich“(= Buchreihe der Österr. Zeitschrift für Volks-kunde, Bd. 5), Wien 1982.
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