Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
Einzelbild herunterladen
 

tisches möglichst nahe angelehnt, ohne Ausmerzung grammatischer Fehler derErzählenden. Nicht ohne Grund ist das Büchlein mit einem auch für den Einheimi-schen, den kroatischen Leser notwendigen kleinen Glossar versehen( 219-231).

Das Titelwort gehört der ersten Erzählung aus der Gegend von Sinj im dalmatini-schen Hinterland von Split an, einem Schwankmärchen von den Zaubergegenstän-den, die dem Armen das Leben, wie Hoffnung und Wunsch( E. Bloch) erleichtern:ein Huhn, das Dukaten kackt; ein Tisch, aus dem Speise und Trank in nie versiegen-der Fülle kommt; ein Sack, aus dem die beschützenden Soldaten steigen. Wie jene,so ist auch diese Erzählung, einer Vergleichenden Volkserzählforschung dienend,indiziert; hier nach Aa Th 563+ 461 II, VI.

In nahezu allen diesen Geschichten der sechziger Jahre klingt ,, Volksleben" in desWortes ursprünglicher, den Alltag" umspannender Bedeutung auf: Soziale Bezügezwischen Verwandten, Freunden, Mitarbeitern; Verhalten gegenüber jeglicher,, Obrigkeit"; List und Tücke als Überlebensnotwendigkeit, die selbst den Teufelschlägt; Einfalt und Größe, Not und Mitleid mit den noch Ärmeren. In manchenErzählungen wird demgemäß auch an sexuelle wie an religiöse Tabus ganz ungeniertgerührt. Auch Laszives fehlt keineswegs, wenn es solcherart in die Erzählungeneingebaut ist und nicht aufgenommen als bewußt gesuchte Pornographie, die auch injüngeren Publikationen Kroatiens nicht fehlt( Zs. Gordogan II, Zagreb 1980, Nr. 5/6,oder die Sammlung erotischer Volkslieder Kudilja i vreteno" des gleichen Verlages Znanje"). Das wurde eben nie unter erwachsenen Erzählern ausgeklammert. DieHerausgeberin erinnert in der vorzüglich informierenden Einleitung( 5-16) anJ. W. Freih. von Valvasor's Tadel in der Ehre des Herzogthums Krain", Laibach-Nürnberg 1689( Nachdruck München 1971), II, Teil VI, S. 334, hinsichtlich der,, Garstigen Zotten- Geschwätze der Alten", da solche Geschichten bei Hochzeitenusw. erzählt wurden. Wie denn überhaupt von M. Bošković- Stulli viel Licht auf dieErzählumstände gelenkt wird, so daß ein papierenes Gefühl für den Leser nichtaufkommt. Die Anlässe, Gelegenheiten zum Erzählen haben sich verständlicher-weise auch in Kroatien seit dem ,, Erzählen am offenen Herd" grundlegend geändert,ohne daß die Erzählfreude, auf andere Gelegenheiten übergegangen, wesentlichgelitten hätte. Nur die Inhalte und die Erzählweise ändern sich unverkennbar vorunseren Augen. Beispiele dafür werden, mit namentlich genannten Überlieferungs-trägern und Neufindern, vor allem zeitkennzeichnenden Umformern von Tradier-tem in gänzlich anders stilisiertes und intendiertes Gegenwartserzählen in reicherFülle vorgeführt. Gelegentlich auch an burlesk- ironischer Neugestaltung von Motiv-verbindungen, die man aus dem 14./15. Jahrhundert eben in Kroatien etwa auchschon als, Legende"( Maria und die sündige Äbtissin z. B.) kennt.

Leopold Kretzenbacher

Jörg Glauser, Isländische Märchensagas. Studien zur Prosaliteratur im spät-mittelalterlichen Island. Basel u. Frankfurt/ Main, Helbing& Lichtenhahn, 1983.VII, 357 Seiten(= Beiträge zur nordischen Philologie. 12).

Die nun erschienene Dissertation Glausers stellt zweifellos ein Desiderat dar,denn die Beschäftigung mit der im 14. und 15. Jahrhundert entstandenen Trivial-literaturgattung der Märchensagas ist erst seit wenigen Jahren dabei, sich den ihrzustehenden Platz im Bereich der Altskandinavistik zu erobern, und es gibt auf

278