Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
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Das Buch von A. Viires ist eine klassische volkskundliche Monographie, die nichtnur die Volkskultur, sondern auch die Ergebnisse der Archäologie und der Sprach-wissenschaften in Betracht zieht. Der Verfasser folgt jener wissenschaftlichenMethode, die das Prinzip von Wörter und Sachen sowie die sozioökonomischen Ver-hältnisse betont und deren Fundamente zum Kennenlernen des estnischen Volks-lebens von I. Manninen, F. Linnus und G. Ränk niedergelegt wurden. Wir möchtengerne hoffen, daß das Buch von A. Viires die Aufmerksamkeit aller auf sich lenkt,die sich der europäischen Volkskunde/ Ethnographie/ Ethnologie widmen.

Béla Gunda

Le Poisson dans l'Art et les Traditions Populaires d'Alsace. Strasbourg, MuséeAlsacien, 1983, 73 Seiten, 8 Farbtafeln, 18 Abbildungen.

Als Leopold Schmidt 1976 zu einer Ausstellung im niederösterreichischen StiftGeras seine Einführung ,, Volkskunst im Zeichen der Fische" verfaßte, mußte er fest-stellen, daß das Thema Fisch in der Volkskunstforschung bis dahin überhaupt nichtgefragt war. Seither läßt sich ein gewisser Wandel feststellen. Manchenorts beginntman sich wieder der Zeugnisse der einst so reichen Fischereikultur zu besinnen. AufGeras folgte die diesjährige niederösterreichische Landesausstellung in Schloß Orth/Donau, und auch die 1983 vom Münchner Stadtmuseum veranstaltete Ausstellung,, Die Isar- ein Lebenslauf" hatte einige schöne Beispiele zu bieten.

Als Ergänzung und Weiterführung soll hier auf den schönen Katalog des MuséeAlsacien zu einer Ausstellung über den Fisch in der elsässischen Volkskultur hin-gewiesen werden, die noch bis zum 8. Jänner 1984 zu sehen ist. Der Katalog, weit-gehend von Georges Klein verfaßt, bietet neben Hinweisen auf die bekannten Tellerund Schüsseln mit mehreren Fischen, Back- und Puddingformen in Fischform sowiegeschnitzten Faẞriegeln auch Besonderheiten. Die Poissons d'Avril sind in derelsässischen und französischen Volkskultur zum Synonym für die mehr oder wenigerwertvollen Geschenke geworden, die man sich zum 1. April gegenseitig gemacht hat.Noch während der beiden Weltkriege war es üblich, sich zum 1. April Glückwunsch-karten zu schreiben, auf denen übergroße Fische abgebildet waren. Beim Schreibensog. Goettelbriefe, Glückwünsche zur Taufe, fand oft der Fisch oder die Sirene alsGlückszeichen Verwendung.

Ein weiteres Kapitel befaßt sich mit dem Fisch in der jüdischen Tradition. Das mit8 Farbtafeln und weiteren Abbildungen versehene Büchlein stellt damit eine not-wendige Ergänzung zum Thema Volkskunst im Zeichen der Fische dar und sei dahernachdrücklich empfohlen.

Herbert Schempf

Václav Frolec( Hrsg.). Výroční obyčeje. Současný stav a proměny( Jahresbräu-che. Gegenwärtiger Stand und Veränderungen)(= Lidová kultura a současnost/Volkskultur und Gegenwart, Bd. 8), Brünn 1982, Verlag Blok. 360 Seiten, 60Schwarzweißabbildungen, 8 Farbbilder, 46 Kartogramme. Deutsche, englischeund russische Zusammenfassung.

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