Heute unterscheiden die Wissenschaftler in diesem Gebiet grundsätzlich 5 wichti-ge Typen: Huzulen-, Bojken- und Lemken- Typ( benannt nach den ethnischen Grup-pen der Russinen, in deren Siedlungsgebieten sich diese Kirchen befinden; entschei-dend ist hier der Grundriß und die Konstruktion), Kirchen mit stark ausgeprägtengotischen Formen und Kirchen unter barockem Einfluß. Diese Klassifizierung derHolzkirchen, nur anhand von Fotografien, ohne auch den Grundriß, die Frontal-und Seitenansicht der Konstruktion zu kennen, ist in manchen Fällen unmöglich.
Diese Publikation ist aber kein wissenschaftliches Buch und man muß deshalb demVerfasser das Recht auf seine eigene Version lassen. Der Wert dieses Werkes liegt inseinem einmaligen Bildmaterial. Die Fotografien zeigen die Holzkirchen aus ver-schiedenen Ansichten, ihre architektonischen Details, Glockentürme, aber auchprofane Architektur und einige wertvolle Bilder von Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypen. Aber ohne die Lei-stung Zapletals und den Wert dieses Buches schmälern zu wollen, muß man objektivbleiben. Die Feststellung des Verfassers, daß es sich dabei um„, die besten im Druckvorhandenen Reproduktionen handelt“( S. 23), muß in dem Sinne korrigiert wer-den, daß es sich hier um Reproduktionen handelt, die dem heutigen breiten Leserpu-blikum leicht zugänglich sind. Denn neben vielen anderen sind die im Jahr 1929 inPrag in zwei Publikationen veröffentlichten Fotografien von Bohuslav Vavrousek( in: Kostel na dedine a v mestecku/ Die Kirche auf dem Dorfe und in der Kleinstadt"und besonders„, Cirkevni pamatky na Podkarpatske Rusi/ Kirchendenkmäler in Kar-patoruẞland"( 272 Abb.) den vorliegenden Aufnahmen sicher ebenbürtig.
Weitere Ergänzungen: Der Ort Nova Paka, wohin die Kirche aus Obava( Foto158–159) übertragen wurde, befindet sich nicht in Mähren, sondern in Nordböh-men; die Kirche aus Nyznje Selysce( Foto 60-63) wurde im Jahr 1939 nach Blansko( bei Brünn) verlegt; die Kirche von Cholmec( Foto 86-87)- im Jahr 1679 in VelkaKopana gebaut, im Jahr 1857 nach Cholmec übertragen- befindet sich seit dem Jahr1930 in Dobrikov( Ostböhmen); die Kirche von Nova Sedlica wurde im Jahr 1975 indas Freilichtmuseum in Humenne( Ostslowakei) verlegt.
Diese Bemerkungen„ am Rande“ sind nicht als Kritik, sondern als Ergänzung zubetrachten, denn der Sinn dieses sympathischen Buches liegt woanders als im reinWissenschaftlichen. Es verweist auf Kulturschätze jenes Volkes, das sich bis ins20. Jahrhundert seine traditionelle Kultur bewahrt hat und von dem sich heute An-gehörige in nicht geringer Anzahl im Ausland befinden.
Dieses Buch macht uns auch aufmerksam auf die Persönlichkeit jenes Mannes, derdiese Kultur manchmal unter schwierigsten Bedingungen dokumentierte. Schade,daß er selbst die Veröffentlichung seiner Sammlung nicht erleben konnte, über die erin einem Brief im Jahr 1921 schrieb:„ Ich habe bereits eine Sammlung von Foto-grafien, auf die ich sehr stolz bin, vor allem, wenn ich daran denke, wieviel Schweiß,Arbeit und Geld ich hineingesteckt habe“( S. 18).
Vera Mayer
Ants Viires, Talurahva veovahendid. Baltimaade rahvapäraste põllumajanduslikeveokite ajalugu( Bäuerliche Transportmittel. Geschichte der Bauernfuhrwerke imBaltikum). Verlag: Akademie der Wissenschaften der Estnischen SSR. Institutfür Geschichtsforschung, Valgus. Tallin 1980. Abb. 55, Foto 123. 268 Seiten.
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