arbeitet. Danach spiegelten sich in der Bekleidung nicht nur soziale und ökonomi-sche Verhältnisse, sondern auch Beruf und Qualifikation der Arbeiter; bei den Frau-en auch die Generationsunterschiede. Die Autorin verfolgt sorgfältig alle diese Fak-toren und präsentiert an vielen Beispielen die Entwicklung der Arbeiterbekleidungin den einzelnen Perioden, die durch Konfektionsindustrie, Bürgerbekleidung undihre Modetrends beeinflußt wurde. Sie berücksichtigt sogar den sogenannten PragerFrajer( Freier) und Pepík( Strizzi). Nicht unbemerkt bleiben auch die Fragen der Be-schaffung sowie die Bedeutung der Bekleidung in der Arbeitergemeinschaft und dieWertung der Bekleidung innerhalb der Familie.
Da das Schwergewicht der Monographie hauptsächlich im Zeitraum 1848-1914liegt, wird im letzten, vom Autorenteam gemeinsam geschriebenen Kapitel„ DasLeben der Arbeiterschaft und die Kultur des Proletariats in der bourgeoisen Repu-blik“( S. 259-291) die volkskundliche Problematik der Zwischenkriegszeit nur nochkurz behandelt.
Diese Monographie zeigt deutlich die Wichtigkeit der volkskundlichen Erfor-schung der Großstadt und ihrer Bevölkerungsschichten. Sie ist der Beweis dafür, daßdie volkskundliche Sicht die historische erweitern kann. Obwohl auch für Laien prä-destiniert, ist an dieser Publikation hervorzuheben, daß jedes Kapitel über reicheAnmerkungen mit viel Literatur und Quellenangaben verfügt und daß bisher in derWissenschaftsliteratur unveröffentlichtes Bildmaterial präsentiert wird. Was mandem Herausgeber des Werkes vorwerfen kann, ist das Fehlen eines fremdsprachigenResümees. Obwohl damit für deutschsprachige Kollegen mit Ausnahme der Bilddo-kumentation unbrauchbar, mag vielleicht dieses Buch doch Denkanstoß sein, denvon Leopold Schmidt begonnenen Weg zur monographisch- volkskundlichen Erfor-schung der Großstadt Wien intensiver und nach heutigen Maßstäben fortzusetzen.Vera Mayer
Bibliographia Ethnographica Carpatobalcanica, I. Teil. Volksarchitektur. Red.: V.Frolecund J. Kubiček. Brno 1981. 119 S.
Das Komitee zum Studium der Volkskultur der Karpaten und des Balkans starteteeine bibliographische Serie, um die ethnographische und folkloristische Erforschungdes Gebietes zu fördern. Der erste Band befaßt sich mit der Volksarchitektur. Dieverschiedenen( bulgarischen, tschechoslowakischen, jugoslawischen, ungarischen,polnischen, rumänischen, sowjetischen) Verfasser kompilierten die wichtigstenbibliographischen Angaben über ihre Länder und Völker. Die Titel der in ungari-scher, polnischer, rumänischer, slowakischer, serbischer usw. Sprache erschienenenBücher und Abhandlungen sind auch in einer westeuropäischen Sprache angegeben.Die Bibliographie leistet einen unbestreitbaren Vorschub der europäischen Wohn-hausforschung und beweist jedem Hausforscher, daß die Erforschung der Volks-architektur in Karpaten- Europa und im balkanischen Raum mit verschiedenenMethoden und unter verschiedenen Gesichtspunkten erfolgreich betrieben wird.Schon auf Grund der Bibliographie müssen wir die Forschungen der Polen, Kroatenund Serben besonders hoch einschätzen, bedauern aber umsomehr, daß gar manchebedeutsame Werke in der Bibliographie fehlen, so z. B. mehrere Abhandlungen desserbischen Autors M. S. Filipović oder die Monographie von V. Ćurčić( RezentePfahlbauten von Donja Dolina in Bosnien. Zeitschrift für österreichische Volks-
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