Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
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Ungarn neben den örtlichen Eigenheiten die karpatischen Elemente vorherrschen.Allerdings haben die landwirtschaftlichen Wanderarbeiter auch die südlichen Kon-takte der Volkskultur geschaffen.

Die Monographie von A. Paládi- Kovács enthält ein überaus umfangreiches ethno-graphisches und folkloristisches Material, welches aus der Sicht sowohl der ungari-schen wie auch der karpaten- europäischen traditionellen Kultur von großer Bedeu-tung ist. Besonders hervorzuheben ist die gründliche Feldarbeit sowie die historischeund ethnogeographische Methode des Verfassers. Dem Buch ist schließlich zu ent-nehmen, daß in Karpateneuropa die Grenzen der Kulturelemente mit den Sprach-grenzen nicht zusammenfallen.

Béla Gunda

Stará dělnická Praha. Život a kultura pražských dělníku 1848-1939( Altes Prag derArbeiterschaft. Leben und Kultur der Prager Arbeiter 1848-1939). Hrsg. vonAntonín Robek, Mirjam Moravcová, Jarmila Šťastná. Academia Verlag,Prag 1981, 316 Seiten, 241 Abbildungen im Text, 4 Farbtafeln, 5 Karten.

Die vorliegende historisch- ethnographische Monographie ist das Resultat einerintensiven, im Jahr 1973 begonnenen Arbeit der Volkskundler des Prager Institutsfür Ethnographie und Folkloristik. Dieser Synthese über Leben und Kultur derPrager Arbeiterschaft zwischen den Jahren 1848 bis 1939 gingen viele analytischeStudien und Artikel in 10 Bänden der Edition des Prager Instituts VolkskundlicheBücherei- Ethnographie der Arbeiterschaft", in der Zeitschrift Český lid und an-deren Fachperiodika, einige Konferenzen und eine große volkskundliche Ausstel-lung Altes Prag der Arbeiterschaft" im Jahr 1976 voraus. Die erste Arbeitsversiondieses Werkes erschien im Jahr 1975 in 3 Bänden mit einem Umfang von eintausendManuskriptseiten.

Diesem Arbeitsaufwand entspricht auch der Inhalt des Buches. Fast hinter jedemSatz verbirgt sich eine präzise heuristische Arbeit. Bemerkenswert ist nicht nur dieVerwertung von bis jetzt von Volkskundlern und Historikern nicht verwendetemQuellenmaterial, sondern auch aus methodologischer Sicht das Faktum, daß essich hier um die erste Veröffentlichung einer tschechoslowakischen historisch- volks-kundlichen Monographie handelt, die sich mit der Arbeiterschaft in einer Großstadt-Industrieagglomeration auseinandersetzt. Obwohl es keine unmittelbaren Vorbilderfür diese Monographie gab, hat das Forschungsteam diese Aufgabe ausgezeichnetbewältigt. Kein Wunder, denn alle neun Autoren zählen zu den erfahrensten Wis-senschaftlern der Prager Volkskunde.

Das Buch ist in neun Kapitel gegliedert. Im gemeinsam verfaßten Einleitungs-kapitel Prager Arbeiterschaft( S. 5-33) werden allgemeine historische und wirt-schaftliche Bedingungen und deren Auswirkung auf Sozialstruktur und Lebensartder Prager Arbeiterschaft von der Vormärzepoche bis zum Jahr 1914 aufgezeigt. DieAutoren erläutern die Zusammenhänge der Entwicklung der Prager Industrie, derdamit verbundenen demographischen Entwicklung der Stadt und die soziale Zusam-mensetzung der Arbeiterschaft in den einzelnen Prager Bezirken und Vorstädten.Auf Grund dieser Analysen werden in Hauptzügen Wurzeln, Entstehung und For-mierung des proletarischen Lebensstiles in Prag charakterisiert, der als ein wesentli-ches Merkmal sozialer Emanzipation der Arbeiterklasse betrachtet wird.

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