Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
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A. Paládi- Kovács, A barkóság és népe( Das Barkó- Gebiet und seine Bevölkerung).Hrsg.: Museum Otto Herman. Miskolc, 1982, 210 Seiten.

In den letzten Jahren sind Monographien im Umfang von 100 bis 200 Seiten überdie ungarischen ethnischen Gruppen und ethnographischen Gegenden erschienen,von denen das Buch von A. Paládi- Kovács über die ethnische Gruppe der sog.Barkós als hervorragend zu bezeichnen ist. Die Barkós leben südlich vom FluẞRima, im nordwestlichen Teil des Komitats Borsod sowie im nördlichen bzw. nord-östlichen Teil der Komitate Heves und Nograd. Einige Barkó- Dörfer sind auch inder benachbarten Südslowakei zu finden. Das Barkó- Gebiet ist seit dem 11. bis 13.Jahrhundert von Ungarn bewohnt. Der Name Barkó stammt vermutlich von einemPersonennamen. Der traditionelle Charakter der Kultur ist bis heute erhalten geblie-ben, was einerseits den ökologischen Verhältnissen, andererseits der römisch- katho-lischen Religion der Bevölkerung zu verdanken ist. Die Dörfer sind endogam, dochneben der lokalen ist auch die religiöse Endogamie von Bedeutung. Erhalten geblie-ben ist auch die Organisation der Großfamilie und der Sippe. In den Bauernhöfenstehen bis zu 8 bis 10 Wohnhäuser, in denen verwandte Familien leben. Bei denBarkó- Ungarn ist die Scheunengemeinschaft bekannt; sie betreiben auch die Bie-nenjagd. Jede Großfamilie hatte ihre eigene Schafherde. Sie pflanzten Emmer undDinkel. Zum Hanftrocknen benützen sie Dörröfen des nordslawischen Typs. Auchder Backofen im Wohnhaus gehört zum nordslawischen Typ, doch ist von der Gro-Ben Ungarischen Tiefebene auch der schoberförmige Hinterladeofen eingedrungen.Bei Wohnhäusern und Scheunen kommt noch die Blockbautechnik vor.

Typische Speisen der Barkó- Ungarn sind die sauren Suppen und verschiedeneMehlspeisen. Neben dem ungegärten Fladenbrot gibt es auch großformatige, ver-zierte Kuchen, die hauptsächlich zur Hochzeit oder für Wöchnerinnen gebackenwerden. Zur Hochzeit wurde der größte Kuchen immer von der Taufpatin der Brautgebacken. Im Herbst spielt das Schafsfleisch eine bedeutende Rolle in der Speisen-folge, doch vom Dezember an kommt schon Schweinefleisch auf den Tisch. Nebenden ,, Hauptpaten haben die Kinder noch 5 bis 6 Taufpaten und-patinnen. Dadurchbesteht eine weitverbreitete Kunstverwandtschaft, was auch eine sozioökonomischeInteressengemeinschaft bedeutet. Bei Tagesanbruch nach dem Hochzeitstag wirdvor dem Haus des neuen Ehepaars oder in der Mitte des Dorfes ein Feuer angezün-det; die Hochzeitsgäste tanzen um das Feuer herum, die junge Frau muß es über-springen, damit sie gesund bleibt.

Im Rahmen der dramatischen Faschingsspiele werden mit Strohseilen umwickelte Gefangene" durch das Dorf geführt. Am Fastenabend bekommen diese auf denKopf einen Tontopf, der nach der Urteilsverkündung" zerbrochen wird. Das be-deutet das Ende der Faschingszeit. Der Brauch wurde neuerdings unter die Hoch-zeitsspiele aufgenommen. Eine bedeutende Rolle spielen die Kirchtage, die amNamenstag des Schutzpatrons der Kirche gehalten werden. Auch entlegene Dörferwerden aus diesem Anlaß aufgesucht. Die Kirchtage bringen das Zusammen-gehörigkeitsgefühl der Gemeinschaft zum Ausdruck.

Die böhmischen Hussiten und König Matthias Corvinus kommen in manchenSagen vor. Figuren des Volksglaubens sind u. a. der Mondfresser( markoláb; derName ist vermutlich deutscher Herkunft), der Wehrwolf, der Müller als Ratten-fänger, die Hirten mit magischen Eigenschaften. Auf Grund dieser und andererEigenarten stellt der Verfasser fest, daß in der traditionellen Kultur der Barkó-

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