insofern zwar der Held im Schlaf einen Aufschluß erhält, später jedoch aktiv werdenmuß, um einen Rat umzusetzen oder eine Gefahr zu bestehen.
Stärkere Beachtung hätte vielleicht die Frage der„ Faulheit“ des Helden verdient.Insgesamt jedoch bietet die Studie einen wertvollen Beitrag zur Märchenforschung.Felix Karlinger
Stefania Colafranceschi, Tradizione e trasformazione: Le variazioni temati-che nella„ Leggenda di S. Biagio“. Roma 1983. 4°. 136 S.
Diese phototypiert erschienene Dissertation über die Tradition und die Wandlungder Blasius- Legende vermittelt einen guten Eindruck über die Produktion erbauli-cher Schriften in Rom im 15. und 16. Jahrhundert. Es handelt sich dabei nicht umtheologisches, sondern populäres Schrifttum, das nun in der Frühzeit des Buch-drucks an Bedeutung gewinnen sollte und das manche der bis dahin gültigen Funk-tionen der mündlichen Überlieferung abzulösen bereit war. Die Autorin weist sichals eine sehr gute Kennerin dieses Zeitraums und seiner religiösen Quellen aus. Siegibt zunächst einen Überblick über die frühesten gedruckten Texte, die noch ausdem 15. Jahrhundert stammen und unter denen wir neben dem hl. Blasius auch dieLegenden der Heiligen Sebastian, Johann Baptist, Barbara, Basilius, Julian, Gu-glielma, Katherina, Margarita, Augustin, Eustachius und Alexius finden. Drei da-von sollten ja später im Volksbuchbereich eine besondere Rolle spielen: Guglielma( eine Variante zur Genovefa, Hirlanda, Stella usw.), Eustachius und Alexius. Diebeiden dem hl. Blasius gewidmeten Drucke- einmal eine„ Leggenda“( zirka 1492)einmal eine„ Historia“( aus der gleichen Zeit)- gehen auf Giuliano Dati( 1472-1524) zurück.
Die Entwicklung des Stoffes dieses Heiligen, der auch bei uns durch den„, Blasius-Segen“ eine gewisse Popularität besitzt, macht die Colafranceschi durch Textverglei-che zwischen der„ Legenda Aurea“ von 1260 und ihren popularisierenden Überset-zungen aus dem 14. Jahrhundert- einer anonymen und einer von Manerbi 1475-ersichtlich, und sie stellt dann die poetische Bearbeitung durch Dati daneben. Sehrgut wird so der Übergang von mittelalterlicher zu neuzeitlicher Gestaltung evident.Vom reinen Erzählen zum erbaulichen Interpretieren spannt sich ein weiter Bogen,die Funktion wandelt sich vom religiösen Erzählen hin zur Belehrung. Dati, vonHause aus Florentiner, hat als Geistlicher in Rom teils als Poenitenziar, teils als Pfar-rer im Trastevere- Viertel seine Karriere gemacht, die durch die Ernennung zumBischof von Leone( Calabrien) gekrönt werden sollte. Sein Volksbüchlein hatte im16. Jahrhundert einen starken Erfolg, wie Nachdrucke und Bearbeitungen zeigen.Ja, man kann sagen: in einem gewissen Sinne kommt Datis S. Biagio Modellcharak-
ter zu.
Das 16. und 17. Jahrhundert hat zahlreiche ähnliche gereimte Legenden hervorge-bracht, und der Nachklang dieser Heftchen reicht herauf bis ins 20. Jahrhundert.
Man ist dankbar für die hier abgedruckten und sonst nur sehr schwer erreichbarenTexte, für die vielen klugen Hinweise und Vergleiche, und möchte der Studie einenregulären das heißt auch im Buchhandel erhältlichen- Nachdruck wünschen.Felix Karlinger
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