Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
Einzelbild herunterladen
 

ziehend) gebracht. So geht der Autor, um nur ein Beispiel für seine Arbeitsweiseaufzuzeigen, im Kapitel, Siedeln, Bauen und Wohnen" nicht nur auf die historischenBauernhausformen, sondern ebenso auf die Grundrisse neuer Wirtschaftsgebäudeund die Siedler- bzw. Einfamilienhäuser der Gegenwart ein. Für die Familienfor-schung wichtig: der Hinweis auf die bis in unser Jahrhundert bestehenden Haus- undHofgemeinschaften- und zwar als Folge mittelalterlicher Güterteilungen und nichtals Nachfahren slawischer ,, Mehrfamilienorganisation" ²).

Das Buch, in dem es dem Autor um das Aufzeigen von tieferen Zusammenhängenin der Entwicklung des Ortes geht( das ist ja der Sinn historischer Forschungschlechthin!), und zwar mit dem Ziel, den Kartitschern ihre Heimat bewußt zu ma-chen und bei Ortsfremden besseres Verständnis zu wecken, ist bestens ausgestattet,reich bebildert, gut lesbar und durchaus wissenschaftlich, was Literatur- und Quel-lenhinweise betrifft. Nicht nur Kartitsch in Osttirol, auch die österreichische Volks-kunde hat durch diese Arbeit eine Bereicherung erfahren.

Olaf Bockhorn

Ethnische Gruppen in der Bundeshauptstadt Wien. Symposium am 26. Oktober1981(= integratio 1981, XV). Wiener Arbeitsgemeinschaft der österreichischenVolksgruppen. Wien 1982, 170 S.

Mit einem besonderen Aspekt der Volksgruppenfrage beschäftigt sich der15. Band der Reihe integratio", entstanden aus Vorträgen eines Symposiums am26. Oktober 1981. Es geht um Ethnische Gruppen in der Bundeshauptstadt Wien".

Heinz Tichy erörtert in seinem Grundsatzreferat die Probleme der Anwendungdes Volksgruppengesetzes auf ethnische Gruppen in der Großstadt. Die ,, Elastizitätvieler seiner Formulierungen eröffnet viele, zum Teil noch wenig überdachte Mög-lichkeiten, um das Gesetz sowohl auf Volksgruppen im ländlichen Raum als auch inden Großstädten(...) anwenden(...) zu können.

Gerade dort aber ist das Bekenntnis zur Volksgruppe schwer, wo die territorialeZusammengehörigkeit zur Gruppe außerhalb der Stadt und zu den Mitgliedern inder Stadt fehlt. Die geistige Profilierung und das berufliche Fortkommen ihrer Mit-glieder ist andererseits wieder äußerst wichtig für Volksgruppen und oft nur in denStädten zu erreichen.

Dieses Dilemma tritt auch in den Referaten der Vertreter der kroatischen, slowe-nischen, tschechischen und ungarischen Volksgruppe klar zutage. Wie unterschied-lich aus historischer Sicht die Entwicklung der Volksgruppen in Wien auch ist, soähnlich klingen ihre Forderungen und Bedürfnisse: Anerkennung durch das Volks-gruppengesetz, Kindergärten und Unterricht in den jeweiligen Sprachen und Zen-tren zur Ausübung der Vereinstätigkeit, für kulturelle Zwecke, Bibliotheken usw.

2) Vgl. dazu: Milovan Gavazzi, Davna diaspora Slovenaca u Tirolu( Eine sloweni-sche Diaspora in Tirol). In: Traditiones 7-9, 1978-1980, Ljubljana 1982, S. 183 ff.

201