Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
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Stoder- und Garstnertal. Das Buch enthält somit eine Menge volkskundliches Mate-rial. Vor allem macht es Appetit, dieser herrlichen Alpenwelt selbst zu begegnen.Franz Grieshofer

Lois Ebner, Kartitsch in Osttirol. Vergangenheit und Gegenwart einer Osttiro-ler Berggemeinde. 324 Seiten mit zahlreichen- z. T. farbigen- Abbildungen imText. Kartitsch: Selbstverlag der Gemeinde A- 9941 Kartitsch, 1982.

Heimatbücher, Ortschroniken usw. sind als, volkskundliche Quellen" immerschon gerne benützt, oftmals sogar ausgenützt" worden. Rezensionen in wissen-schaftlichen Zeitschriften blieben und bleiben- zumeist aus. Häufig zu Unrecht,weil es sich vielfach um Beispiele emanzipatorischer Geschichtsschreibung, um Bü-cher für die Betroffenen die Beschriebenen"

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handelt.

Lois Ebner, promovierter Volkskundler, Leiter des weit über die Osttiroler Be-zirksgrenzen hinaus bekannten Museums der Stadt Lienz im Schloß Bruck, hat fürseine Heimatgemeinde Kartitsch( 1360 m hoch im Tiroler Gailtal, einem Seitentaldes osttirolischen Drau- oder Pustertals, gelegen; etwas über 1000 Einwohner, vondenen ein Viertel in den noch über 100 land- und forstwirtschaftlichen Betrieben-zirka 50% aller Haushalte- tätig ist; seit dreißig Jahren stetig steigender Fremden-verkehr) ein solches Heimatbuch geschrieben, das- um ein abschließendes Urteilschon vorwegzunehmen- in vielem beispielhaft genannt werden kann. Die Haupt-kapitel gelten Ortskundlichem( einschließlich Vereinswesen), Historischem( vonden Siedlungsanfängen bis zu Bilddokumenten der jüngsten Zeit), dem Siedeln,Bauen und Wohnen, den Kirchen( hier sei darauf verwiesen, daß auch die Kartit-scher Leonhardskirche einstmals kettengegürtet war¹),, als ein Zeichen ihrer Frey-ung", wie es in der Pfarrchronik heißt), Pfarrgemeinden und sichtbaren Zeichen derVolksfrömmigkeit( Kapellen, Friedhöfen usw.), dem Brauchtümlichen im Jahres-und Lebenskreis( hierhin auch eingehende Schilderungen der bäuerlichen Arbeit,Nahrung und Wirtschaft- diese Themen hätten eigentlich einen eigenen Abschnittverdient), dem Schul- und Bildungswesen, der Bevölkerungsabwanderung in Ver-gangenheit und Gegenwart, dem Erzähl- und Spruchgut sowie abschließend den Be-schreibungen von Kartitsch durch Außenstehende.

Diese summarische Aufzählung zeigt die inhaltliche Vielfalt, aber auch den hohenAnteil des, rein Volkskundlichen" an diesem Buch. Letzteres wird nun nicht nostal-gisch- retrospektiv, sondern historisch- analytisch( und somit die Gegenwart einbe-

¹) Dieser Beleg, wichtig auch für die rechtliche Bedeutung von Leonhardsketten,war bislang unbekannt. Er wäre in der einschlägigen Literatur nachzutragen( Leo-pold Kretzenbacher, Die Ketten um die Leonhardskirchen im Ostalpenraume. In:Kultur und Volk- Festschrift f. Gustav Gugitz, hrsg. v. L. Schmidt= Veröff. d.Öst. Museums f. Volkskunde, Bd. V, Wien 1954, S. 165 ff.; derselbe, Kettenkir-chen in Bayern und Österreich Bayr. Akad. d. Wiss.- Phil.- Hist. Klasse, Abh.NF H. 76, München 1973).

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