wünschen, daß diesem I. Band bald die weiteren folgen, die zusammen ein großesHandbuch der Museen und Sammlungen Niederösterreichs ergeben werden.
Franz Grieshofer
Gertrud Huemer, Niederösterreichische Heimatmuseen. ÖsterreichischerBundesverlag, Wien 1982, 170 S.
,, Das vorliegende Buch will Museumsführer, Reisebegleiter und Nachschlage-werk in einem sein. Es soll nicht nur ein Handbuch im engeren Sinn darstellen, son-dern darüber hinaus das betreffende Museum in einen größeren Zusammenhangstellen: in den seiner Landschaft, seines Kulturraumes, seiner Menschen." Wenndieses Vorwort, wie das ja in der Regel geschieht, im nachhinein geschrieben wurde,ist es eine glatte Irreführung, sollte es aber vorweg als Zielvorstellung gedient haben,so wurde diese jedenfalls in keiner Weise erfüllt. Denn gerade alles das, was diesesBüchlein sein möchte, ist es nicht. Was es bietet, ist eine- manchmal sogar dürftigeInhaltsangabe der einzelnen Heimatmuseen. Man erfährt kaum etwa über ihreEntstehung, über die Sammler. Wer war denn nun z. B. jener Dr. Rollett, der demstädtischen Museum in Baden seinen Namen gibt, und wieso besitzt Baden noch einzweites Museum? Mit dem Hinweis auf vorhandene Literatur bzw. auf Museumsfüh-rer und Kataloge der einzelnen Museen hätte man dem Interessierten weiterhelfenkönnen. Auch wäre eine Zusammenstellung( Index) nach Sachgebieten dem Infor-mationsgehalt sehr dienlich gewesen. In der vorliegenden Form wird das an sich gutund mit vielen Bildern ausgestattete Büchlein jedenfalls dem Anspruch, den es fürsich erhebt, nicht gerecht.
Franz Grieshofer
Hedwig Lüdeke, Griechenlandreisen. Herausgegeben von August Lüdeke undDieter Röth. Kassel, Erich- Röth- Verlag 1982, S. 209.
Der sorgfältig ausgestattete Band stellt im wesentlichen einen etwas kürzerenNachdruck des längst vergriffenen Buches ,, Im Paradies der Volksdichtung", Berlin,Minerva- Verlag 1948 dar, ergänzt mit einfühlsamen Zwischentexten von DieterRöth und einem Vorwort von Rolf Wilhelm Brednich. Es handelt sich um einen per-sönlich gehaltenen Reisebericht der bekannten Volksliedersammlerin und-überset-zerin, in dem sie ihre vier griechischen Exkursionen von 1935, 1936, 1937 und 1939,schon unter schwierigen äußeren Bedingungen, beschreibt, unter Miteinbeziehungeiner Fülle von meisterhaften Übersetzungen von Volksliedern und Distichen. IhreArbeitsmethode in der Feldforschung und ihre unermüdliche Sammelleidenschaftund Tatkraft rücken Lüdeke, jenseits ihrer seltenen Sprachenbegabung und dichteri-schen Übersetzungsleistung, in den engen Kreis jener griechischen Liedforscher, diesich um Sammlung, Archivierung und Interpretation des neugriechischen Volkslie-des verdient gemacht haben.
In der ungewöhnlichen Persönlichkeit Lüdekes entrollt sich uns auch zum Teil eintypisch altösterreichisches Schicksal. 1879 in Wien als Tochter eines aus Prager jüdi-scher Kaufmannsfamilie stammenden Geschichtsprofessors an der k. u. k. Kriegs-schule, wuchs Lüdeke in bürgerlich patriarchalischer Enge und Strenge auf, schonfrüh Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen zugetan und Studien in
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