genen Trachten darstellen, so daß das Trachtentragen und damit das Bekenntnis zurHeimat in der Form der Kleidung verstärkt auch noch heute und in der Zukunft mög-lich ist. Ihre Vorschläge sind jedoch nicht nur wissenschaftlich sehr fundiert, sondernauch mit einem einzigartigen handwerklichen Wissen und Können ausgestattet."Frau Pesendorfer verband also das wissenschaftliche Wissen mit dem handwerkli-chen Können und ästhetischen Empfinden und stellte damit ein Optimum unter denTrachtenpflegern und Trachtenerneuerern dar. Die Nachfrage und der Absatz desStandardwerkes zur Tiroler Trachtenkunde liefern den Beweis,„ wie sehr breiteKreise in der Öffentlichkeit und unter den Trachtenpflegern zu ihr( Frau Pesendor-fer) und ihren Vorschlägen stehen. Sie hat daher auf diese Weise ganz im Sinne jenerVolkskunde gearbeitet, von der Wilhelm Heinrich Riehl, der Begründer der wissen-schaftlichen Volkskunde, vor gut 120 Jahren von einer Gegenwartskunde sprach.Die Volkskunde wird sich stets bis zur Gegenwart vorarbeiten müssen und nicht al-lein in der Vergangenheit verhaftet bleiben können."
Frau Pesendorfer empfand das ganze Volk von Tirol nördlich und südlich desBrenners als Einheit und so ist in ihrem Buch„ Lebendige Tracht in Tirol" auch dieTrachtenlandschaft Südtirol behandelt.
Die Grabesrede schloß mit dem öffentlichen Dank seitens der Universität Inns-bruck, insbesondere des Institutes für Volkskunde und des Präsidiums des Öster-reichischen Fachverbandes für Volkskunde. Die Verstorbene hatte mehrere Lan-desauszeichnungen erhalten. So war sie Trägerin des Verdienstkreuzes und der Ver-dienstmedaille des Landes Tirol. Im Fache Volkskunde und im großen Kreise derHeimat- und Trachtenpfleger hat Frau Gertrud Pesendorfer einen anerkanntenPlatz, den ihr wohl so schnell niemand streitig machen wird.
Peter Stürz
Josef Walleitner( 1904-1982) †
Am 27. Mai 1982 verstarb in Salzburg völlig unerwartet Monsignore Hofrat Dr.jur. et rer. pol., Dipl.- Volkswirt a. o. Univ.- Prof. Josef Walleitner.
Am 3. Juni 1904 in Maria Alm geboren, studierte er am Borromäum und an derTheologischen Fakultät der Universität Salzburg. Schon als Zweiundzwanzigjähri-ger empfing er 1926 die Priesterweihe und war nach mehreren Kooperatorenpostenin Hüttau und Lend sowie in den Stadtpfarren Gnigl und St. Blasius viele Jahre alsFachinspektor für den röm.- kath. Religionsunterricht im Bereich des land- undforstwirtschaftlichen Schulwesens tätig. Während der zwangsweisen Beschränkungseiner Tätigkeit in der nationalsozialistischen Zeit erwarb er im Jahre 1939 das Dok-torat der Rechts- und 1940 das der Staatswissenschaften sowie in der Folge noch dasDiplom als Volkswirt. Im Jahre 1945 erhielt er das Lehramt für Religion, das er 20Jahre lang mit großem Verständnis für die Jugend an Salzburgs Realschule und Re-algymnasium ausübte.
Schon frühzeitig begann sich Walleitner mit Volkskunde zu beschäftigen und habi-litierte sich bereits 1948 als Dozent für Christliche Volkskunde an der TheologischenFakultät Salzburgs; seine dortige Lehrtätigkeit übte er bis zu seinem Tode aus. Am19. November 1970 wurde ihm der Titel eines a. o. Universitätsprofessors verliehen,im Jahre 1977 auch der Hofratstitel.
188