deutschen Sprachinseln" bezeichnet hat, wobei er eine Freundesgruppe besondershervorhebt:„ Es waren ja damals in Wien die meisten jungen Sprachinselforscherbeisammen, die späterhin ihren Weg machen sollten. Sie studierten ihren Teil Volks-kunde bei Arthur Haberlandt, Geographie bei Hugo Hassinger und hießen WalterKuhn, Alfred Karasek, Egon Lendl, und zu ihnen traten Spezialsammler wie Ri-chard Wolfram und Rudolf Kriẞ". Wie Egon Lendls Bruder nach dem vollendetenStudium an der Technischen Hochschule zur Volksbildung fand, so W. Kuhn,A. Karasek und andere über diese zur Sprachinselvolkskunde. Erst als Diplominge-nieur promovierte Walter Kuhn bei Haberlandt und Alphons Dopsch mit der Disser-tation„ Die jungen deutschen Sprachinseln in Galizien". Sein grundlegendes Werk,, Deutsche Sprachinselforschung“ erschien 1934, schon 1936 erfolgte seine Berufungals Professor für deutsche Volkskunde und ostdeutsches Volkstum an die UniversitätBreslau. Nach Kriegseinsatz am Atlantikwall und amerikanischer Gefangenschaftsowie Verlust seiner Bibliothek und unersetzlicher Manuskripte wandte sich Kuhnimmer mehr der Siedlungsgeschichte zu. 1955 erhielt er an der Universität Hamburgdie Professur für„ Siedlungsgeschichte und Volkstumsforschung namentlich Ost-deutschlands". Von seiner bis ins hohe Alter reichenden geistigen Frische zeugt un-ter anderem sein im Jahrbuch der Schlesien Friedrich- Wilhelms- Universität zu Bres-lau 1982 erschienener Lebensbericht:„ Eine Jugend für die Sprachinselforschung".Der am 17. September 1903 in Bielitz, im ehemaligen Österreichisch- Schlesien ge-borene Gelehrte lebte viele Jahre in Salzburg, wo er am 25. März 1983 starb.
Karl Haiding
Trachtenforscherin Gertrud Pesendorfer gestorben
Am 25. August 1982 verstarb in Innsbruck im 88. Lebensjahr die weit über dieGrenzen des Landes Tirol hinaus bekannte Trachtenforscherin Gertrud Pesendorfer( geb. Wiedner).
Vor wenigen Monaten ist im Universitätsverlag Wagner in Innsbruck ihr Stan-dardwerk der Tiroler Trachtenforschung„ Lebendige Tracht in Tirol“ in zweiterAuflage erschienen. Dieses Werk ist zurzeit die einzige zusammenfassende Darstel-lung der Tiroler Talschaftstrachten nördlich und südlich des Brenners. Die 1965 er-schienene 1. Auflage war schon seit längerer Zeit vergriffen. In den letzten Jahrenhat im ganzen Land eine verstärkte Erneuerung und Wiederbelebung des Trachten-wesens eingesetzt. Die Trachtenpfleger, aber auch die Trachtenkundler greifen mitDankbarkeit zum Hauptwerk der Tiroler Trachtenkunde von Frau Pesendorfer.Univ.- Prof. Dr. Karl Ilg, Vorstand des Institutes für Volkskunde an der Tiroler Lan-desuniversität, würdigte die Verdienste der Verstorbenen in der Trauerrede folgen-dermaßen:„ Wir fühlen uns am Institut für Volkskunde auf das Tiefste mit Frau Ger-trud Pesendorfer in Dankbarkeit und Wertschätzung verbunden. Sie hat der Trach-tenkunde und namentlich der Erneuerung und Verlebendigung der Trachten einenüber die Landesgrenzen hinaus anerkannten Dienst erwiesen. Er besteht darin, daßFrau Pesendorfer auf Grund sehr eingehender Forschungen in vielen urkundlichenBereichen und im Aufṣuchen von noch gegenständlich vorhandenen Trachten inNord- und Südtirol Entwürfe erarbeitete, welche eine Fortentwicklung der vergan-
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