Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
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Alois Closs ein Neunziger

Am 27. Oktober feierte der vielseitige Kulturhistoriker Univ.- Prof. Dr. phil.Dr. theol. Alois Closs die Vollendung seines 90. Lebensjahres. Der noch immer mitungebrochener geistiger Spannkraft tätige Gelehrte studierte 1933 bis 1936 am Insti-tut für Völkerkunde der Universität Wien. Für seine bis in die Gegenwart wirksameAufgeschlossenheit gegenüber der Volkskunde war Wien der richtige Nährboden.Hatte doch Michael Haberlandt Völkerkunde und Volkskunde gelesen und seinSohn Arthur zu dem umfassenden Werk Buschans neben dem grundlegenden ge-samteuropäischen Teil auch die Überschau riesiger außereuropäischer Gebiete bei-getragen. Unser Jubilar wuchs schon damals über die seither überholte Kulturkreis-lehre hinaus, was auch das Thema seines theologischen Habilitationsvortrages( Graz1936), Ethnologische Unbewiesenheit und Unbeweisbarkeit der Uroffenbarung",beweist. Den weiteren Werdegang läßt sein Vortrag anläßlich der Umhabilitierungan die philosophische Fakultät Historische Ethnologie mit besonderer Berücksich-tigung der allgemeinen Religionswissenschaft erkennen. V. Geramb ist es zu ver-danken, daß sozusagen als Gegenstück zu den einstigen Wiener Verhältnissen amVolkskundlichen Institut der Universität Graz völkerkundliche Vorlesungen gehal-ten werden. Hier fand A. Closs Gelegenheit, durch viele Jahre dem volkskundlichenNachwuchs methodisches Rüstzeug und weite Ausblicke zu vermitteln. Unter vielenanderen hat der ungemein sprachenkundige Gelehrte vor allem die, HistorischeEthnologie" im Auge behalten, wobei er darauf hinwies, mit welcher Umsicht undSachkenntnis vorzugehen sei, um mit Berücksichtigung auch der Paläoethnologieund aus nachweisbaren Zusammenhängen schriftloser Völker mit prähistorischenGruppierungen dieses Spezialfach zu entwickeln. Besonders steht der volkskundli-chen Arbeitsweise sein Bekenntnis zur notwendigen Verbindung von Wesensfor-schung und Beziehungsforschung nahe. Was hierbei Sprachkenntnisse beizutragenvermögen, zeigt er in der Abhandlung Neue Ethnologie in Führung bei interdiszi-plinärer Erforschung aliteralen Ostindogermanentums"( Anthropos 1977).

Karl Haiding

Professor Ing. Franz Maresch

Am 28. März 1983- es war der Montag in der Karwoche- ist Herr Professor Ing.Franz Maresch für seine Angehörigen und für seine vielen Freunde und Mitarbei-ter gänzlich unerwartet im 79. Lebensjahr in Wien verstorben. Ungeachtet seines Al-ters hat ihn der Herztod aus einem ungebrochen tätigen Leben gerissen. Den Mit-gliedern des Vereins für Volkskunde in Wien ist Prof. Maresch in den nahezu zwan-zig Jahren seiner mitgestaltenden Tätigkeit im Vereinsvorstand sehr vertraut gewe-sen. Im Jahr 1965 erfolgte seine Wahl in das Leitungsgremium in der Funktion desVereinskassiers. Sein hoher Einsatz für dieses Amt, sein dynamisches Handeln beistets vorsichtiger Disposition waren ein grundlegendes Element für das Aufblühendes Vereins für Volkskunde während der vergangenen zwei Dezennien. Die wirt-schaftliche Absicherung für eine regelmäßige Erscheinungsweise der, Österreichi-schen Zeitschrift für Volkskunde mit jeweils vier Heften eines Jahrgangs, die finan-zielle Voraussetzung für die Begründung des nunmehr im 17. Jahrgang erscheinen-den Nachrichtenblattes Volkskunde in Österreich" und für die Fortführung der

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