Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
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Leistungen bei der Gründung und dem Aufbau des Ethnographischen MuseumsSchloß Kittsee zu verleihen. Das Schicksal wollte es aber, daß Hofrat Dr. Mais kurzdarauf verstarb. Die im Rahmen der Generalversammlung des Vereins Ethnologi-sches Museum Schloß Kittsee am 29. 4. 1983 geplante Übergabe der Medaille im Mi-chael Haberlandt- Festsaal konnte daher nur mehr an Hofrat Dr. Jandrasits persön-lich erfolgen. Für Hofrat Dr. Adolf Mais nahm die Witwe die Medaille in Empfang,nachdem Dir. Dr. Klaus Beitl nochmals die Verdienste der beiden Ausgezeichne-ten in Erinnerung gerufen hatte.

Franz Grieshofer

Ernst Hubers Volkskunstsammlung

Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde

Das Österreichische Museum für Volkskunde erhielt vom österreichischen Staataus dem Nachlaß des Malers Ernst Huber ein wertvolles Legat von 492 Objekten.Es handelt sich dabei um schöne ,, Hirschbacher"-Möbel, um Devotionalien und reli-giöse Kunst, um eine große Anzahl Hinterglasbilder aus dem österreichisch- böhmi-schen Grenzraum, um Spanschachteln, Krippenfiguren, charakteristisches Holz-spielzeug aus den traditionellen Erzeugerlandschaften und um Keramik, unter derbesonders die Produkte der Firma Schleiss in Gmunden hervorragen. Insgesamt alsoeine ansehnliche Volkskunstsammlung. Dazu kommen noch Objekte, die von ErnstHuber stammen und die den frühen Versuch eines Künstlers darstellen, die traditio-nelle Volkskunst in moderner Form weiterzuführen.

Ernst Huber, der heute nur mehr Fachleuten ein Begriff ist, wurde am 15. Juli 1895in Wien geboren. Er begann seinen Weg als Schriftsetzer und Lithograph. Nebenbeibesuchte er an der Kunstgewerbeschule einen Abendkurs für ornamentales Zeich-nen. Als Maler war er Autodidakt. 1919 wagte er sich mit 3 Gemälden an die Öffent-lichkeit, die ungewöhnliches Aufsehen erregten. Ernst Huber wurde daraufhin inden ,, Sonderbund" aufgenommen. 1920 beteiligte er sich bereits an der Kunst-schau" und 1921 war er mit einer Kollektion von 33 Bildern in der Sezession vertre-ten, der er Ende der zwanziger Jahre beitrat. Hier stand er mit Josef Dobrowsky,Ferdinand Kitt, Sergius Pauser, Ludwig H. Jungnickel und Franz von Zülow in engerVerbindung. In der Folge entfaltete Huber eine rege Ausstellungstätigkeit. Er unter-nahm auch viele Reisen ins Ausland. In Österreich bevorzugte er das Mühlviertelund das Salzkammergut. 1935 erhielt Ernst Huber den Österreichischen Staatspreisfür Aquarellkunst, 1937 den Österreichischen Staatspreis und den Ehrenpreis derStadt Wien, 1949 wurde er zum Professor ernannt. Während des Krieges übersiedel-te er nach Wagrain und freundete sich mit Karl H. Waggerl an, der ihm in seinerPfingstreise ein Denkmal setzte. Nach 12 Jahren kam Ernst Huber wieder nach Wienzurück, wo er am 26. September 1960 starb.

Die in der Galerie des Österreichischen Museums für Volkskunde gezeigte Aus-stellung gilt aber nicht dem Maler und Graphiker Ernst Huber allein, sie möchte viel-mehr einen Beitrag zum Verständnis der Gesamtpersönlichkeit des Künstlers undzur Rolle der Volkskunst im modernen Kunstschaffen der Zwischenkriegszeit lie-fern. Der Künstler verfolgte mit der Erwerbung von klassischen Volkskunstobjek-ten nämlich keine volkskundlichen Ziele, sie bedeuteten ihm vielmehr einen

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