In diesen drei Büchern ist das Erzählrepertoire zweier Volkserzähler eingefan-gen, die heute sozusagen nicht mehr„ aktiv“ tätig sind, jedoch noch über einengroßen Schatz an Erzählungen und über eine originelle Gestaltungsweise verfü-gen. Ágnes Kovács hat zu den beiden letztgenannten Bänden eine aufschlußreicheTypologie geschrieben.
Die Märchen und Schwänke bringen zwar motivisch kaum etwas, was nicht be-reits aus dem vorliegenden Fundus bekannt wäre, doch ergeben sie ein Bild derEigenwilligkeit ihrer Erzähler und vermitteln eine Vorstellung von der Biologiedes rumänischen Märchens außerhalb des Mutterlandes. Die sorgfältige Tran-skription und die ergänzenden Glossare erweitern den Bereich zugänglich ge-machter Texte zur rumänischen Volksliteratur.
Es ist erfreulich, daß trotz Spannungen, die zeitweise zwischen den beiden Län-dern zu bestehen scheinen, in Ungarn solche Veröffentlichungen aus dem Volks-tum der benachbarten Nation, das in Ungarn heimisch geworden ist, gepflegt wer-den, und man möchte wünschen, daß diese Publikationen zu breiterer Bekannt-schaft gelangen.
Felix Karlinger
Zur Besprechung der Perchtenmonographie
des Österreichischen Volkskundeatlasses in der ÖZV
Im 3. Heft des Jahrganges 1981 der ÖZV bespricht L. Schmidt( S. 215) meinePerchtenmonographie im 7. Kommentarband des Volkskundeatlasses. Dabeischreibt er:„ Manche Kapitel wie, Christliche Umdeutungsversuche wird mannach wie vor mit einer gewissen Skepsis beurteilen. Die Atlas- Befragung hat jadafür nichts ergeben, da war und ist alles Interpretation." Hier ist dem Rezensen-ten ein Irrtum unterlaufen. Der geheimnisvolle nächtliche Tanz der geisterhaftenHeiligen Drei Könige in der Dreikönigsnacht( sonst auch Perchtnacht genannt)auf der Tenne und die für sie aufgestellten Speisen sind eindeutig christlicher Er-satz für die nächtliche Einkehr der Percht mit ihrem Geistergefolge und den fürsie bereiteten Speisentisch. Hier hat die Atlasbefragung nicht weniger als 46 Ortein Ober- und Niederösterreich ergeben, in denen dieser Ersatz stattgefunden hat.Die Orte sind auf Karte 113 b deutlich gekennzeichnet und leicht erkennbar. Einweiterer christlicher Einfluß ist es, die Percht zur Führerin der ungetauft verstor-benen Kinder zu machen, jedoch mit dem Erlösungsmotiv durch Namensgebung.Auch dafür erbrachte die Atlasbefragung reichen Stoff.
Ein 3. Versuch christlicher Umdeutung, die nach L. Schmidt lediglich eine In-terpretation darstellt, ist es, daß die Kirche sichtlich versucht hat, die Percht in ih-rer lichten Seite durch die heilige Lucia zu ersetzen. Das miẞglückte. Die siziliani-sche Heilige wurde bei uns selbst zur Perchtengestalt und behielt nur ihren Na-men. Dies ist das Ergebnis der Forschungen von Leopold Kretzenbacher in sei-nem Buch ,, Santa Lucia und die Lutzelfrau"( München 1959). Der Versuch wurdein 2 zeitlich unterscheidbaren Vorstößen unternommen, einem mittelalterlichenund einem barocken. Hier habe ich bloß Kretzenbacher zitiert.
Richard Wolfram
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