Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
Einzelbild herunterladen
 

Astrid van Nahl, Originale Riddarasögur als Teil altnordischer Sagalite-ratur. Frankfurt a. M. Bern: Lang 1981. IV, 291 S.(= Texte und Untersu-chungen zur Germanistik und Skandinavistik. Bd. 3). Auch als: EuropäischeHochschulschriften, Reihe 1, Deutsche Sprache und Literatur. Bd. 447.

Die Arbeit beschäftigt sich mit einer bis vor kurzem sehr vernachlässigten Gat-tung isländischer Sagaliteratur, welche hier mit der treffendsten Gattungsbezeich-nung: originale oder isländische Riddarasögur belegt wird. Diese nicht allzu um-fangreiche Gruppe von etwa 30 Werken, die vorwiegend aus dem 14. Jahrhundertstammen, wurden in der älteren Forschung, soweit überhaupt berücksichtigt, häu-fig gemeinsam mit den Märchensagas abwertend als Lygisögur bezeichnet. Bei derAuswahl des Textcorpus( S. 10 f.) fällt auf, daß keine der jüngeren, noch unedier-ten Riddarasögur( wie die Ásmundar saga, Vilhjálms ok Valtara, die Ajax sagafraekna, die Fertrams saga ok Platos u. a. m.) berücksichtigt wurden, was mander Autorin aber kaum zum Vorwurf machen kann, da dies den Rahmen einerDissertation sicherlich gesprengt hätte; bedauerlicher ist allerdings, daß auch eini-ge der wichtigsten von den gut edierten Riddarasögur fehlen, wie etwa die Sam-sons saga fagra, die Rémundar saga keisarasonar oder die Thjalar- Jóns saga. DieEinbeziehung dieser Sögur hätte auch dem Vergleich zwischen originalen undübersetzten Riddarasögur( S. 133-195) eine breitere Basis gegeben. Trotz desUmfangs dieses Kapitels über die Beziehungen zwischen den beiden Gruppenwird aber auf die Gründe für die intensive und andauernde Rezeption der höfi-schen Literatur in Island, die sich in der Entstehung der Gattung der originalenRiddarasögur manifestiert, leider nicht eingegangen. Wie die Autorin selbst vor-herschickt( S. 11), ist ihre Arbeitsmethode eine rein textimmanente, und das Zielder Untersuchung bleibt auf eine formale Typologie der originalen Riddarasöguran Hand von Erzähleinheiten beschränkt; dabei geht A. v. Nahl allerdings kaumstrukturalistisch vor, sondern bietet zu den Überschneidungen mit den Fornaldar-sögur und übersetzten Riddarasögur eine ausführliche Motivsammlung, welchedann auch in einer tabellarischen Übersicht zusammengefaßt wird( S. 201-249);diese Zusammenstellung erweist sich als der weitaus nützlichste Teil des Bandes.In Verbindung mit Registern der Motive und der Sagastellen( S. 247-249,271-279) liegt damit ein brauchbares Hilfsmittel für die inhaltliche Erschließungdieser Sögur vor. Daß auf neue Ansätze bei der Betrachtung der Riddarasögurverzichtet wurde, liegt an der erstarrten Einschätzung und Wertung von Sagagat-tungen in der Sagaforschung überhaupt und kann einer Dissertation nicht vorge-worfen werden.

Rudolf Simek

Friedrich Reinhold Kreutzwald, Estnische Märchen. Aus dem Estnischenübertragen von Ferdinand Löwe, bearbeitet von Aivo Kaidja. Illustriert vonPeeter Ulas. Tallinn, Verlag Perioodika, 1981. 415 S.Märchenspezialisten sind die Volkserzählungen des estnischen Arztes und Dich-ters Kreutzwald( 1803-1882) Halle 1869 und II Dorpat 1881 ein Begriff.Freilich sind diese Ausgaben längst eine Rarität und deshalb nur wenigen wirklichbekannt. Um so erfreulicher ist es, daß diese Texte nun wieder-wenn auch mitleichten Veränderungen abgedruckt worden sind.

-

92