Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
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Passau- Hafnerzeller- Produkte anzusprechen. In diesem Zusammenhang wäreauch noch auf eine offene Frage hinzuweisen: hat man in Wien tatsächlich Gra-phit aus Nieder- und Oberösterreich oder Bayern bezogen, um ihn hier als Mage-rungsmittel zu verwenden, oder sind die nicht mit einer Passau- Hafnerzeller- Mar-ke versehenen Gefäße doch auch aus diesem Produktionsbereich gekommen?Vielleicht könnte eine planmäßige röntgenographische Untersuchung einer größe-ren Reihe von in Frage kommenden Gefäßen hiezu neue Gesichtspunkte erbrin-gen. Auf diesem Wege könnte es vielleicht auch gelingen, echte Wiener Erzeug-nisse festzustellen, für die wahrscheinlich auch der Bindenschild einen verwertba-ren Hinweis geben wird.- Für die weitere Erforschung der mittelalterlichen undder neuzeitlichen Keramik bringt der Katalog mannigfache neue Gesichtspunkteund Anregungen, die eine fruchtbare Entwicklung für die Zukunft erwarten las-

sen.

Richard Pittioni

Wendel Hambuch, Der Weinbau von Pusztavám( Pusstawahn). Ungarn-deutsche Studien I. Publikation des Demokratischen Verbandes der Ungarn-deutschen. Lehrbuchverlag. Budapest 1981. 180 S.

Das deutsche Dorf Pusstawahn( ung. Pusztavám) liegt im nördlichen Teil desKomitats Fejér( Ungarn), an den westlichen Ausläufern des Schildgebirges( ung.Vértes). Die ersten deutschen Ansiedler kamen in den Jahren 1715-1746 ausdem nördlichen Burgenland, später( 1746-1780) ließen sich weitere aus Öster-reich, Bayern und Mähren im Dorf nieder. Bis 1945 war Pusstawahn ein reindeutschsprachiger Ort, doch hat sich infolge der Aussiedlungen die deutsche Be-völkerung um fast die Hälfte verringert. Heute arbeiten auch die Deutschen inlandwirtschaftlichen Genossenschaften, Fabriken und Bergwerken. Man kannmit Sicherheit feststellen- schreibt der Verfasser- daß die ersten Ansiedleroffensichtlich aus ihrer Heimat Nickelsdorf und Ragendorf Reben mitgebrachtund hier ausgesetzt haben. Das scheint auch ein Argument dafür zu sein, daß diePusztavámer den Weinbau nicht von Mór( deutschsprachiges Zentrum einer be-nachbarten Weingegend) erlernten"( S. 52-53). Der Verfasser schildert diese tra-ditionelle deutsche Weinkultur in allen Einzelheiten, sowohl von der gegenständli-chen als auch von der sprachlichen Seite her. Anschaulich schreibt er z. B. überdie Traubensorten, die Weingärten und-keller, die Technik des Weinbaus, dieBewachung der Weingärten, die Weinlese usw. Der Weinkeller und das Wirts-haus spielen eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben. Der Weinkeller istder herkömmliche Treffpunkt kleinerer Gemeinschaften( Freunde, Nachbarn,Verwandte). Trauben und Wein werden zur Zubereitung verschiedener Speisenbenützt. Der Verfasser bringt auch mehrere Weinlieder und Weinsprüche, schil-dert die Weinkultur der deutschen Bevölkerung im benachbarten Mór, den heuti-gen Privatweinbau sowie die Arbeit der Deutschen in den Produktionsgemein-schaften. Wir lernen ferner die heutigen deutschen Kulturbewegungen des Dor-fes, die Kulturgruppe, den Gesangverein und den Gebrauch der deutschen Spra-che kennen( bei der Totenwache wird z. B. auch deutsch gebetet und gesungen,aber der Gottesdienst wird nur noch in ungarischer Sprache abgehalten). Bemer-kenswert ist auch, daß in den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaftennicht nur auf den Feldern, sondern auch im Büro deutsch gesprochen werden

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