Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
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A. Polonec, Detské kolisky. Národopsny Sbornik, Bd. II. Preßburg 1941;F. Štampach, Hejčedlo. Plzen 1930. Selbstverständlich wird der Wert der vor-züglichen finnischen Monographie durch diese bibliographischen Lücken umnichts verringert.

Béla Gunda

Ulla Linström, Småbarns tillsyn och träning( Betreuung und Trainingvon Kleinkindern). Nordiska Museets Handlingar 94. Stockholm 1979.215 S.

Sobald es die Wiege verlassen kann, wird die Betreuung des Kleinkindessein Sitzen, Stehen und Gehen- durch verschiedene Geräte gefördert, die inSchweden in mehreren Formen bekannt sind, wie Hängestühle, Sitzkästen,Stehstühle, Laufbänke, Drehstühle, Kopfschutz, Leitbänder, Laufstützen usw.Bis auf die Hängestühle sind all diese Geräte auch im westlichen und südlichenEuropa bekannt, wie dies auch durch ein reichhaltiges ikonographisches Denk-malgut aus dem 14.- 15. Jh. bezeugt wird. Zu verschiedenen Zeiten erschienendie Betreuungsgeräte zuerst in Südschweden( Schonen) und verbreiteten sichvon dort auf die nördlichen Gebiete Skandinaviens. Schonen hatte schon immerenge Kontakte mit Dänemark und Westeuropa; auch die Untersuchung andererKulturgegenstände führt uns zu einem ähnlichen Ergebnis. An dieser Stellemöchte ich an Hand der Forschungen von A. Sandklef nur auf die Bienenstöckeverweisen.

Ein eigenartiges Gerät der Kinderbetreuung ist der Hängestuhl, den wir nurin Schweden und im schwedischen Finnland finden können. Laut U. Lindströmsind die Hängestühle nördliche Konstruktionen, die erst durch die schwedischeMachtübernahme nach Schonen gekommen sind, also nach 1685. Die Hänge-stühle entwickelten sich zweifellos aus den nördlichen Hängewiegen. U. Lind-ström ergänzt das reichhaltige gegenständliche Material mit gesellschaftlichenAspekten. Die Veränderung der wirtschaftsgesellschaftlichen Verhältnisse hatden Gebrauch und die Verbreitung dieser Geräte beeinflußt. Auch ist mit einerVermittlerrolle der adeligen und bürgerlichen Gruppen zu rechnen. Die schwe-dischen Betreuungsgegenstände spiegeln verschiedene Tendenzen der Kinderer-ziehung wider, die das Kind zur Aktivität anregen wollen. Die Verwendung ver-schiedener Geräte( Kopfschutz, Laufstuhl) wurde im 18.- 19. Jh. von Ärztenuntersagt, doch das Volk ignorierte diese Verbote. Erst seit Beginn dieses Jahr-hunderts löste sich die Kindererziehung von den Traditionen los, hauptsächlichunter der Einwirkung der Mutterberatungsstellen. Dieses vorzügliche Buch istein Beweis dafür, daß wir durch Sachforschung auch gesellschaftliche Bedürfnis-se und Veränderungen kennenlernen sowie zahlreiche geschichtliche Prozesserekonstruieren können. Der Band ist nicht nur aus der Sicht schwedischerVolkskultur von grundlegender Bedeutung, sondern auch ein wichtiges Quellen-werk für alle, die den Weg der Geräte und Gegenstände bis zum Mittelalterverfolgen möchten. U. Lindström überzeugt uns davon, daß zahllose Sachen,Geräte und Vorrichtungen bereits in der Wiege der mittelalterlichen Kultur

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