inneren Carnia ähnlich wie Südtirol ein altes Strohdachgebiet ist, dessen spezifi-sche Scherenjochgerüste es innerhalb der östlichen Südalpen zu einer sehr charak-teristischen, bisher aber kaum beachteten eigenen Steildachlandschaft ausgeprägthaben, die sich vor allem auf die Hochtäler um Comeglians( Val Pesarina, AltoDegano und Val Calda) erstreckt und die wohl als Rückzugsraum altertümlicherBauweisen zu vermerken ist, wenn dies als solches auch von den Verfassern nichterkannt, wohl aber in sehr instruktiven Bildern erfaßt und registriert worden ist( S. 92–98). Begrüßen wird man ferner die Behandlung einer Reihe von histori-schen Hausdenkmälern des 16. und frühen 17. Jahrhunderts in Prato Carnico, Pe-sariis, Sauris/ Zahre, Ovaro und Paularo. Ebenso die Darstellungen von Innenräu-men der Bevölkerung, vor allem von Herdräumen, in ihrer sehr charakteristi-schen karnischen Eigenart.
Das letzte Kapitel des Buches sucht nach den Zusammenhängen von„ gestern,heute und morgen“( S. 176-184) und schließlich nach möglichen Lösungen ineiner Problematik, die auch hier in dieser kargen und wirtschaftlich bis heute nurwenig begünstigten Gebirgslandschaft gerade in ihrer altertümlichen Struktur zurDebatte steht. Für Volkskunde und Hausforschung bietet der Band unerwartetviel Material an und gibt einen schätzbaren Einblick vor allem in das Bauwesenund Hausleben der uns benachbarten Carnia.
Oskar Moser
acta scansenologica, Tom 2, hrsg. von Jerzy Czajkowski- Muzeum budownict-wa ludowego w Sanoku, Sanok 1981, 348 Seiten mit zahlreichen Fotos, Plänen,Rissen und Karten.
Jerzy Czajkowski( Hrsg.), Open- Air Museums in Poland(= Biblioteka Mu-zeum Narodowego Rolnictwa w Szreniawie 1981), Muzeum budownictwa ludo-wego w Sanok- Sanok/ Poznań 1981, 314 Seiten mit zahlreichen Fotos, Plänenund Karten.
Beide Bände sind zuvörderst der durchschlagenden Initiative, Weitsicht undFachbegeisterung des polnischen Museologen Jerzy Czajkowski vom Museumfür Volksarchitektur in Sanok( Karpaten- Polen) zu verdanken. Beide würde mannicht nur den einschlägig befaßten Betreuern von Freilandmuseen, sondern auchder Fachvolkskunde und interessierten Fachfreunden besonders empfehlen. Dieacta scansenologica sind dreisprachig( polnisch oder russisch- englisch- deutsch),das Museumswerk über Polen englisch und deutsch geschrieben.
Der neue Band der acta scansenologica*) enthält diesmal umfangreiche Infor-mationen über europäische und amerikanische Freilichtmuseen. Hervorgehobenseien zwei Beiträge über Konzeptionen von solchen Museen zur Dorfarchitekturin der UdSSR, hier neuerdings auch unter Einbeziehung staatlicher Gedenkstät-ten wie beispielsweise„ Lenins sibirische Deportationsstätte" in Szuszenskoje alsZentrum eines ,, sibirischen Dorfes". Boris W. Gnedowskij( Moskau) vertritt da-bei die Ansicht, ,, daß Freilichtmuseen nur in wirklichen Notfällen als Schutz-
*) Vgl. unsere Besprechung in ÖZV 84/ XXXV, Heft 3, Wien 1981, S. 206 f.
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