den“( S. 44–50). Und für die typische Struktur der Hauswände des Mühlviertelsaus Granitblöcken mit breiter Mörtelfugung wählt sie den einheimischen, anspre-chenden Terminus des„ Steinbloßmauerwerks“( S. 83 u. ö.). Widersprechen mußihr der Volkskundler nur in einem winzigen Detail: Das schöne Nischenkreuz mitden arma Christi über einem Hoftor auf Abb. 489( aus Sarleinsbach/ Rohrbachi. M.) ist sicher kein„ Pestkreuz“, sondern ein„ Passionskreuz“. Alles in allem ge-nommen, bietet die Verfasserin hier aber jedenfalls ein äußerst schönes und zu-gleich nützliches und lehrreiches Buch auch für den volkskundlichen Hausfor-scher.
Oskar Moser
Adriano Alpago Novello u. v. a., Carnia
Introduzione all' ArchitetturaMinore. Fotografie di Giovanni Edoardo Nogaro. Ristampa 1975. Gör-lich Editore S. p. A. Paderno Dugnano( Milano) 1973. 191 Seiten, 231 Fo-tos, Risse, Pläne bzw. Karten.
Auf der Suche nach der„ divina bellezza della semplicità" hat eine Gruppe jun-ger Mailänder Architekten diese schöne Studie erstellt. Sie gilt der Carnia, d. h.jenem nördlichsten Gebirgsteil der nordostitalienischen Region Friaul- Julisch-Venetien, der zugleich entlang des karnischen Hauptkammes an Kärnten undOsttirol grenzt. Was hier vorliegt, ist eine moderne Landschaftsmonographie mitdem Schwerpunkt auf Siedlung und Hauswesen, die schon von ihren Bearbeiternher in vieler Hinsicht über die bisherigen einschlägigen Darstellungen des Bauern-hauses der Carnia von G. Marinelli( 1898), G. Del Puppo( 1907/09), G. Baragiola( 1915), E. Scarin( 1943) oder L. Zanini( 1968) hinausführt und daher das Interes-se der Hausforschung und Volkskunde verdient. Einleitend werden, begleitet vonvortrefflichen Fotos und Graphiken, Natur und Landschaft, Arbeit und Leben so-wie die Volkskultur der Carnia bis zu Volksdichtung und Tracht aufgezeigt. Derzentrale Hauptteil des Werkes befaßt sich jedoch mit dem ländlichen Hausbauund Siedlungswesen, mit deren historischem Baubestand und seiner Geschichte,deren Anlagen, Wohntypen und urbanistischen Dispositionen bis zu Kirchen, Ka-pellen, Brunnen u. dgl.
Wichtig und durch gute Sachaufschlüsse hervortretend sind dann vor allemmehrere Feldanalysen über die Val Pesarina, die Häuser der Val Degano, vonAmpezzo und der deutschen Sprachinsel Sauris/ Zahre sowie der Orte des Savor-gnan( Forni di Sopra e di Sotto). Die Spannweite der z. T. sehr primären Baufor-men und-strukturen reicht vom alpinen Blockbau und Haus mit Außentreppenund-gängen(„ ballatoio voluminoso") bis zum Palazzo mit Loggia auf veneziani-sche Art. Sie alle finden hier eine relativ genaue Beschreibung, die auch die loka-len Besonderheiten jeweils gut herausholt und so die typischen Eigenarten derHäuser in der Carnia vom Wohnbau bis zu den einfachen Feldstadeln und Alp-bauten nicht nur in Aufrissen, Planaufnahmen, sondern auch in besonders schö-nen Fotos festhält. An sie schließen dann Darstellungen der konstruktiven Bau-weisen im einzelnen an, wobei Dachwerke, Laubengänge in Holz und Stein, Fen-ster und Wandöffnungen( mitunter noch mit Verstäbung oder Flechtwerk wieAbb. 152, 153, 157 und 159) sowie Tore und Türen mit ihren liebevollen Detailsbesprochen werden. Dabei sollte man nicht übersehen, daß diese Landschaft der
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