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Ilse Luger, Lebende Tradition Das bäuerliche Wohnhaus in Ober-österreich. Erhalten, Gestalten und Planen. Oberösterreichischer Landesver-lag Linz( 1981), 271 Seiten, 576 Abbildungen( Zeichnungen, Schwarzweiß- undFarbfotos, Pläne), 4°.
Allmählich scheinen Architekturforschung und volkskundliche Hausforschungdoch zum Vorteil beider miteinander ins Gespräch zu kommen. Das spürt mannamentlich beim Studium dieses neuen und ungemein schön gestalteten Buchesaus Oberösterreich. Auch hier geht man von der Erkenntnis aus, daß eben dieBaugeschichte der Häuser von besonderem Einfluß auf deren heutige Erschei-nung ist. Welchen außerordentlichen Reichtum an Mitteln der Außengestaltungwir dabei vorfinden und zu berücksichtigen haben, zeigt dieses Buch von IlseLuger über das bäuerliche Wohnhaus in Oberösterreich. Als solches ist es ein vor-treffliches Gegenstück zu R. Schachels Broschüre über die„ Baugesinnung inNiederösterreich"( Wien 1977), auf die wir seinerzeit schon hingewiesen haben*).Hervorgegangen aus einer Forschungsarbeit im Auftrag des Bundesministe-riums für Bauten und Technik, zeigt es eine Fülle wertvoller Baudetails mit wun-derschönen Lichtbildaufnahmen und sehr klaren und anschaulichen Fassaden-zeichnungen. Ilse Luger behandelt dabei im ersten Hauptabschnitt die Gestal-tungsgrundlagen im ländlichen Bauen überhaupt, nämlich das Bauen in der Land-schaft, Baumasse und Baukörper( mit Bedachtnahme auf die jeweilige Gehöft-form!), Flächen und Flächenfolgen( Dach und Wand), Material und Farbe, Öff-nungen in der Hauswand, zusätzliche ornamentale Gestaltung am Haus. Weiterszeigt sie in Analysen bestehender Lösungen die Möglichkeiten regionaler Anwen-dung solcher Gestaltungsmittel( ebenfalls unter Bedacht auf die vorgegebenenHauslandschaften Oberösterreichs). Und in den drei abschließenden Kapitelngeht die Verfasserin dann auf die modernen Aspekte des Bauens ein und zeigtMöglichkeiten einer gekonnten und brauchbaren Weiterentwicklung und Neuge-staltung mit zahlreichen Beispielen von Umbauten wie auch von Neubauten. Hiersei von ihr nur ein Satz ihrer grundsätzlichen Gestaltungsvorschläge herausge-stellt:„ Der gestalterische Ansatz für die Zuordnung und Baukörperentwicklungorientiert sich( nach dem Gesetz der Konformität) an den landschaftlichen Gege-benheiten und an den bereits bestehenden Bauten."( S. 185). Interessant ist u. a.die mehrfache Feststellung der Verfasserin, daß bei den eher lagerhaften Baukör-performen der donauländischen Höfe die Ausbildung von Aufmauerungen zumHalbstock( sogenannte Drempelbildungen) oft von Vorteil sind:„ Die Übermaue-rung bedeutet einerseits eine Verbesserung der Proportion in Hinsicht auf die gro-Be Längenentwicklung, andererseits ergibt sich eine gute Belichtung und Belüf-tungsmöglichkeit für den Dachraum“( S. 47). Bei Umbauten oder Neubauten inden alpinen Landschaften Österreichs erweist sich dagegen gerade die Raumge-winnung durch solche Drempelbildung als besonders störend und schädlich fürPonderation und Proportion der vorhandenen Baukörperformen. Vermerkenmöchten wir weiters den Gebrauch zweier Fachtermini, die man in die Hausfor-schung übernehmen könnte: für den seit jeher umstrittenen, auch von der Gefü-geforschung her problematischen Terminus„ einstöckig“,„ zweistöckig“ usw.spricht I. Luger von„ einhöhigen, eineinhalbhöhigen oder zweihöhigen Gebäu-
*) Vgl. ÖZV XXXIII/ 82, Wien 1979, S. 335–337.
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