der Volkskunstforschung( Textilkunst) sowie vor allem der Brauchforschung; hin-zu kommen gewichtige Einzelthemen, wie etwa die Untersuchung von Bela Rö-mer über„, Ameisen und Ameisenerde in der Volksmedizin"( Mravi i zemlja mra-vinjaka u narodnoj medicini, S. 229-236) mit vergleichenden Ausgriffen aufMontenegro und die Banija, Slowakei, Deutschland und Slowenien sowie auf dieinternationale Literatur. Eine letzte Gruppe von Beiträgen befaßt sich schließlichmit forschungsgeschichtlichen Themen.
Fast allen Aufsätzen gemeinsam ist die Feststellung eines radikalen Schwindensjahrhundertealter Traditionen auch in den beharrsamsten Landschaften Jugosla-wiens, unter denen die Darstellung von Andrija Stojanović über eine eigenarti-ge Form der Ziegenhaltung und Milchwirtschaft auf der süddalmatinischen InselMljet( S. 9-43), die Herleitung der„ flügel- und kreuzförmigen Spinnrocken"( krilne i križne preslice) Nordwestkroatiens aus einfachen naturgewachsenen Ga-belrocken von Marija Išgum( S. 45-75, mit sehr schönen Zeichnungen und Kar-ten) und die Zusammenfassung von Vlasta Domaćinović über Alter und Her-kunft der Dachstollentruhen( škrinje od tesanih dasaka) Jugoslawiens als eineswahrscheinlich alteuropäischen, vermutlich eisenzeitlichen und gemeinindoeuro-päischen Kulturerbes( in Ergänzung zu ihrer Studie von 1965*) hervorgehobenseien. Interessant auch die Studie von Stjepan Janjić über Gemeinschafts- Fluß-mühlen an der unteren, bosnischen Save( S. 217-227). Unter den Aufsätzen zurkroatischen Brauchforschung seien die schönen Arbeiten über Hochzeitsbräucheaus Westkroatien( Žumberak) und der Lika( Ivčević Kosa) sowie über Totenbräu-che im Turopolje( Donja Lomnica) wenigstens genannt; ebenso der Beitrag überWeihnachtsbräuche in Kroatien von Ivanka Bakrač( S. 175–181), vor allem seihingewiesen auf die Darstellung von Zdenka Lechner über die eigenartig bina-ren Maskengestalten, die„ strašni buše“ und die„ lipibuše“, im Faschingsbrauchder kroatischen Baranja( Ostkroatien), die an durchaus ähnliche Gegenüberstel-lungen der Maskenbegleitung im Nikolobrauch der Kärntner Slowenen erinnern( S. 159-174, 4 Abb.).
Unter den fachgeschichtlichen Beiträgen verdient besonders der zur„ Ethnolo-gie in Polen“ von Marija Dekanović- Helebrant( S. 283-307) als eine gut ge-faßte und einführende Übersicht( mit einer kleinen Literaturauswahl) hervorge-hoben zu werden. Er ist in deutscher Sprache geschrieben, während sonst durch-wegs ausreichende deutsche Zusammenfassungen beigegeben sind.
Oskar Moser
Burgenländische Forschungen, Sonderheft VI, Festschrift für Karl Semmel-weis. Eisenstadt 1981.
Als 6. Sonderheft der„ Burgenländischen Forschungen" erschien in Eisenstadteine Festschrift zum 75. Geburtstag von Karl Semmelweis. Gleichzeitig mit dem50jährigen Erscheinen der„ Burgenländischen Heimatblätter" es einen Jubilarzu feiern, dessen Arbeit das kuturelle Werden des Burgenlandes von Anfang anbegleitet und mitgeformt hat.
*) Vgl. unsere Besprechung in ÖZV XXXIII/ 82( 1979), S. 131-133.
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