Namen wie Bernward Deneke und Wolfgang Brückner, dieser von ihr habilitiert,genannt seien, ganz abgesehen von manchen anderen, die als Germanisten, beiHörfunk und Fernsehen, an Museen und Archiven, in der„ Volksbildung“ ihrenWeg machten, ihrer Lehrerin wie dem Fache Ehre einbrachten.
Ich selber durfte Frau Mathilde Hain in Wien kennenlernen bei jenem IV. In-ternationalen Kongreß für Anthropologie und Ethnologie, an den sich nach Leo-pold Schmidts klugem Entschluß und Organisieren die VII. ÖsterreichischeVolkskundetagung anschloß, das wiedergewonnene Selbstvertrauen und dieersten Nachkriegsleistungen unseres Faches zu präsentieren. Frau Hain hattemich damals in der Steiermark besucht. Ich durfte ihr Seminar auf froher Öster-reich- Exkursion durch das Land Salzburg, durch die Steiermark und durch Kärn-ten führen. Wir waren Wandergefährten bei den kroatischen Reiterspielen der,, Alka" im Hinterland von Dalmatien, waren bei den katholischen wie bei einemorthodoxen Kloster bei Šibenik, bei den Fischern und den Korallenschleifern aufder dalmatinischen Insel Zlarin usw. Näher aber standen ihr England und Schott-land, das jahrelange Studieren von handschriftlichen und frühen gedrucktenDenkmälern der Religiosität in Gebetbüchern und Traktaten, vor allem die Sorgefür ihr Seminar und ihre Schüler. Mehrmals hatte ich dort Vorträge halten dürfen,in ihrem gastlichen Hause gewohnt, an Institutionen und bei Kollegen freundlichvon ihr eingeführt, belehrt auch in vielen Fachgesprächen aus ihrem reichen Wis-sen gerade über die Zusammenhänge spätmittelalterlicher Sakralkultur, die nunnicht mehr zur wissenschaftlichen Dokumentation hatten reifen dürfen, Torsobleiben müssen wie so manches im Lebenswerk dieser liebenswerten Lehrerin,Forscherin, so sehr mehr„ für andere" als für sich sorgenden Frau. So kann nurwehmütiges Erinnern und aufrichtiger Dank verbleiben, wie ihn auch LeopoldSchmidt und das Präsidium unseres Vereins für Volkskunde bekundet hatten, alsM. Hain zum korrespondierenden Mitglied berufen wurde.
Leopold Kretzenbacher
Walter Hävernick †
Das korrespondierende Mitglied des Vereins für Volkskunde in Wien, Univ.-Prof. Dr. Walter Hävernick, emeritierter ordentlicher Professor für Deutsche Al-tertums- und Volkskunde an der Universität Hamburg, ist am 23. Jänner 1983,dem Tage der Vollendung seines 78. Lebensjahres, in Hamburg verstorben.
Nach einem Studium in Hamburg, Frankfurt am Main und München wurdeWalter Hävernick 1929 in Hamburg als Schüler des Historikers Friedrich Keutgenmit einer münzgeschichtlichen Arbeit zum Dr. phil. promoviert.
Dies war der Anfang seines sehr beachtlichen Wirkens im wissenschaftlichenFeld der Numismatik, die bis zum Schluß sein Hauptarbeitsgebiet geblieben ist.Nach mehreren Jahren der Arbeit an numismatischen Forschungsaufträgen gingWalter Hävernick 1935-1945 als Kustos an das Herzogliche Münzkabinett in Go-tha. In dieser Zeit habilitierte er sich 1937 an der Universität Hamburg und las ab1943 als Privatdozent für Numismatik an der Universität Jena.
Kurz nach seiner Umhabilitation an die Universität Hamburg im Jahre 1945übernahm Walter Hävernick 1946 die Leitung des Museums für Hamburgische
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