neugermanistischen Fache. Hier promovierte Mathilde Hain bei Franz Schultz mit,, Studien über das Wesen des früh- expressionistischen Dramas“, gedruckt alsBd. 5 der Frankfurter Quellen und Forschungen 1933. Stärkere Kraft aber gingfür sie wie für so manche nachmals Große vom Germanisten- Mediävisten JuliusSchwietering( 1884-1962) aus. Er verwies sie auf den inneren wie den äußeren,den„ Lebens"-Zusammenhang aller Erscheinungen dessen, was wir in der Hoch-wie in der sogenannten„ Volks"-Kultur als Ausdrucksformen erkennen, einzuord-nen haben nach ihren jeweiligen Funktionen, innerhalb der sie bewußt und be-kenntnishaft oder aber unbewußt, unreflektiert,„ konventionell“ tragenden Ge-meinschaften. So entstand früh und in gezielter, sorgfältig abwägender ,, Feldfor-schung" M. Hain seit dem Erscheinen( Jena 1936)„ gültig“ gebliebenes Buch,, Das Lebensbild eines oberhessischen Trachtendorfes". Ein Werk, zu dem sichsein Anreger Julius Schwietering wie dessen in mancher auch öffentlich ausge-fochtener Streitfrage anders urteilender„ Gegner" Viktor von Geramb gleich an-erkennend bekannten. Hier folgten- keineswegs in rascher Folge und auch nichtsonderlich umfangreich, wohl aber jeweils in besonderer Sorgfalt behauen, dieseBücher und zwischendurch ganz hervorragend wertvolle„ Forschungsberichte":,, Sprichwort und Volkssprache"( 1951), 1966 das Büchlein über„ Rätsel“, die Be-arbeitung von Adolf Spamers nachgelassenem Werk„ Der Bilderbogen von derGeistlichen Hausmagd"( 1970). Als Wolfgang Stammler seine zuerst rein auf Ger-manistik ausgerichteten Beiträge im Sammelwerk„ Deutsche Philologie im Auf-riẞ" um die seither voll integrierten Aussagen über viele Sparten einer nur z. T.aus der Germanistik entwachsenen„ Volkskunde“ bereicherte, war es wiederumMathilde Hain, die Wesentliches zu sagen hatte über„ Die Volkskunde und ihreMethoden", über das Sprichwort, über die Volkstracht( 1962-1965). Vieles lagvor in jenem Forschungsbericht über„ Sitte und Brauch", den die Deutsche Vier-teljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte bereits 1942 ge-bracht hatte, vorausweisend in größerem Zusammenhang auf solch einen schwie-rig genug zumal im gerechten Abwägen zu erstellenden Forschungsbericht über„ Die Volkserzählung“, ebenda 1971. So manch ein ein- oder aber glückhaft wei-terführender Aufsatz wäre hier noch dankbar zu nennen: Jener über„ Arme See-len und helfende Tote“ im Rheinischen Jahrbuch für Volkskunde IX/ 1959; überdie„ Aenigmata moralia im 17. Jahrhundert" in der Zeitschrift für Volkskunde1968; die Studie„ In Abrahams Schoß“ in der FS für Matthias Zender 1972; ,, DerTraum Mariens" in den„ Dona Ethnologica“ zu München 1973. Nicht zu verges-sen der mediävistische Beitrag„ Rota in medio rotae" in der FS für ihren Studien-kollegen, den gleichfalls aus Julius Schwieterings Schule hervorgegangenen Mit-telalter- Geistesleben- Forscher Friedrich Ohly( Kiel, Münster), in„ Verbum etsignum“ 1975.
Freimütig und offen nahm Frau Hain das Wort„ Zur Situation der weiblichenHochschullehrer“( 1963) und zu manch einem Problem der Fach- Euphorie dersechziger Jahre in der BRD. Sie stand eben diese Jahre des stürmischen Wachs-tums wie jene der stark einsetzenden Ernüchterung durch, selbstlos bleibend inder Beengtheit ihres Faches durch mancherlei verständnislosen„ Progressiv-Widerstand" seitens modisch gewordener Soziologieströmungen, die eine Syste-misierung der„ Volkskunde“ zu einem Ordinariat in Frankfurt/ Main zu verhin-dern wußten. Aber Frau Hain hatte dennoch„ Schule“ um sich versammelt, undes sind hervorragende Kräfte aus ihrem Seminar hervorgegangen, von denen nur
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