Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
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Adolf Mais t

Am 17. Dezember 1982 verstarb nach langem Leiden, aber doch für viele völligunerwartet, Hofrat Dr. Adolf Mais, nachdem er bloß wenige Jahre vorher als Di-rektor des Ethnographischen Museums in Schloß Kittsee in den Ruhestand getre-

ten war.

Am 3. März 1914 in Wien geboren, studierte er nach seinem Realschulabitur ander Wiener Universität Slawistik, Urgeschichte, Volks- und Völkerkunde, wo ichihn nach 1945 als fleißigen, ambitionierten und auch kenntnisreichen Studentenkennengelernt habe. Mit einer Dissertation über Die serbokroatischen Zieh-bauern" hat er am 20. 5. 1947 promoviert, nachdem er schon am 1. 4. 1946 alswissenschaftliche Hilfskraft am Österreichischen Museum für Volkskunde zuarbeiten begonnen hatte. Am 1. 1. 1949 wurde er Vertragsbediensteter des wis-senschaftlichen Dienstes, am 1. 7. 1952 prov. wissenschaftlicher Assistent, am12. 2. 1954 dann systemisierter Assistent, als welcher er am 1. 1. 1955 zum KustosII. Kl. ernannt wurde. Am 1. 1. 1962 folgte die Ernennung zum Kustos I. Kl.,und am 27. 6. 1973 wurde er zum Leiter des Ethnographischen Museums Kittseebestellt. In dieser Eigenschaft wurde ihm am 26. 6. 1975 der Berufstitel Hofratverliehen.

Adolf Mais haben drei wesentliche Eigenschaften geprägt: seine museologischeBegabung, sein Verbundensein mit der- in Wien fast selbstverständlichen- sla-wischen Volkskunde und seine, vielleicht durch die urgeschichtlichen Interessengeförderte Beschäftigung mit der volkstümlichen Keramik. Alles verbunden miteinem unerhörten Fleiß und einer ungewöhnlichen Ausdauer, die ihn auch befä-higten, umfangreiche Archivstudien zu dem großen Thema der Wiedertäufer so-wie deren keramischen Erzeugnisse durchzuführen.

Wer das angeschlossene Schriftenverzeichnis durchsieht, wird davon beein-druckt sein, wie sich diese drei Hauptrichtungen durch die gesamte Zeit seinesliterarischen Schaffens hindurchziehen. Aus vielen Gesprächen weiß ich, wie sehrihm die Erforschung und Förderung der slawischen Volkskunde am Herzen gele-gen ist und wie enttäuscht er immer wieder war, daß es die engen Raumverhält-nisse im Volkskunde- Museum in der Laudongasse nicht gestatteten, diesen um-fangreichen Teil der Sammlungen der Öffentlichkeit aufzubereiten. Die sechs Jah-re in Kittsee allerdings, die konnte er voll nützen und so auch eine imposanteSchau aufbauen, die mit seinem Namen dauernd verbunden bleiben wird. Dennhier hat er alles, was er auf vielen Studienfahrten im Ausland kennengelernt undfür sich selbst verwertet hat, in die Wirklichkeit umsetzen können. Seine von derMutter erlernte Kenntnis der tschechischen Sprache und die von ihm an der Uni-versität gepflegten Sprachstudien befähigten ihn auch zum Erfassen und wissen-schaftlichen Durchdringen des einschlägigen ostsprachlichen Schrifttums, wovonseine eigenen Arbeiten, von der Dissertation 1947 angefangen, ein beredtes Zeug-nis ablegen. Seine vielfachen musealen Erfahrungen hat er durch eigene Gestal-tungstendenzen zu ergänzen versucht, wie man seinen zahlreichen diesbezüglichenBerichten entnehmen kann. Wie sehr Adolf Mais mit der Museologie verbundenwar, belegt die Tatsache, daß er lange Zeit an der Herausgabe und Entwicklungder Mitteilungen der Museen Österreichs mitgewirkt und im Rahmen von Er-gänzungsheften eine Reihe von Themen selbst bearbeitet hat. Unentbehrlich ge-worden aber ist seine Zusammenstellung über Die hauptamtlichen Museumsbe-

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