Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde118 (2015) / N.S. 69Mochar, Iris: Von Volksliedgesang, Volkssängern und Volkssängerinnen im Wien der Zwischenkriegszeit

  
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Von Volksliedgesang, Volkssängern und Volkssängerinnen im Wien der Zwischenkriegszeit : Wandlungsprozesse in einem volkskundlichen und ideologisch motivierten Spannungsfeld
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Iris Mochar, Von Volksliedgesang, Volkssangern und V olkssangerinnen.13Wienerliedgenres die Chance auf eine Karriere abseits gewohnter Auf-trittsmöglichkeiten.23 Die Sängerin M aly Nagl(Amalie Nagl-Wolfecker,18931977) oder Ernst Arnold(eigentlich Ernst Arnold Jeschke, 18921962) etwa genossen durch Schallplattenproduktionen und Rundfunk-auftritte besondere Popularität.24Ebenfalls betont sei, dass bereits in der frühesten Phase der österrei-chischen Filmproduktion sowohl Vertreter des Volkssängertums als auchVolksschauspieler wie Edmund Guschelbauer, Karl Blasel oder Alexan-der Girardi als Attraktionen im Film auftraten.25 Trotzdem wurde dasFilm- und Kinozeitalter als eigentliche»Besiegerin der Volkssängerherr-lichkeit«26 gesehen, da es das Freizeitverhalten der Bevölkerung maßgeb-lich veränderte.In der antagonistischen Verquickung von modern und partiell vor-modern sowie in der Hybridität zwischen einer dem Land zugeordne-ten M usik und ihren spezifisch urbanen Einflüssen wurde insbesonderein W ien ein eigenes musikalisches Genre begründet. Es wurde mit derÜberschrift des spezifisch Wienerischen versehen und mit wienerischerIdentität aufgeladen. Kulturträger von Wienerlied und Wienermusikwaren zu einem wesentlichen Teil Volkssänger und Volkssängerinnen.Gleichzeitig begründete dieses Genre eine wienerische Identität mit undfungierte so auch als Vergewisserung urbaner Identität.Als einflussreich für die Konstruktion einer spezifisch wienerischenIdentität mittels musikalisch-volkskultureller Überlieferung gilt die Pub-likation»Wiener Lieder und Tänze«, die bis heute eine beliebte musikali-sche Grundlagenquelle darstellt.27 M it dem Vorsatz, einer»alten, boden-ständigen Kultur ihre mächtige Förderung zu leihen« und»zu bewahren,was noch zu retten« sei, gab Eduard Kremser zwischen 19 11 und 1925 drei23Radio W ien. Illustrierte Wochenschrift der österreichischen Radioverkehrs-A.G.714, 19 3°/ 19311937/ 1938.24Ernst W eber: Schene Liada Harbe Tanz: D ie instrumentale Volksm usik unddas W ienerlied. In: Fritz, Kretschm er 200 6(wie Anm. 10), S. 14 9456, S. 343 f.25W alter Fritz: Im Kino erlebe ich die Welt. 10 0 Jahre Kino und Film in Österreich.W ien, München 1996, S. 21.26Pemmer 2007(wie Anm. 20), S. 54.27Eduard Kremser(Hg.): W iener Lieder und Tänze. Im Auftrag der Gemeindever-tretung der k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt W ien, Bd. 1, W ien 1 9 1 1; Bd. 2,W ien 19 13; Bd. 3, W ien 1925.