10 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde LXIX/118, 2015, H eft 1+ 2moderner Industriegesellschaften und urbane Lebensstile eines sichsozial differenzierenden Publikums.10M it einem lokal gefärbten Repertoire, das sich fortwährend an diesich wandelnden Aufführungspraktiken, musikalischen und performati-ven Formen der modernen Stadt anpasste, boten die meist vom Klavierbegleiteten Vorträge lokaler Sänger und Sängerinnen dem Publikum»bühnengebundene Unterhaltung«11 und individuellen Konsum im urba-nen Umfeld. Das Agieren der Volkssänger trug dem»Geschmack derRezipienten« durchaus»Rechnung«, wie es M oritz Csaky auch für dieOperette, die mit dem Volkssängertum in Verbindung stand, artikulierthat.12 Ihre Lieder mussten tagesaktuell sein und»wurden oft von diversenTextlieferanten tagsüber gekauft und abends gesungen«13. Carl Lorens(1851—1909), ein beliebter W iener Volkssänger, hat in seiner Laufbahnüber 2000 Lieder, Couplets und Soloszenen geschrieben und interpre-tiert.14 Dies veranschaulicht die hohe Produktivität einzelner Volkssän-gerpersönlichkeiten. Edmund Guschelbauer(1839—1912), der Star unter10Literaturauswahl zur Volkssängerkultur: Elisabeth Brauner-Berger: Volkssänger-tum im Wandel. Diss., W ien 1993; Elisabeth Th. Fritz, Helmut Kretschmer(Hg.):W ien Musikgeschichte. Teil 1: Volksm usik und Wienerlied(=Geschichte der StadtW ien, hg. v. Verein für Geschichte der Stadt W ien, 6). W ien 20 0 6; Ingrid Gans-ter, H elm ut Kretschmer: A llw eil lustig, fesch und munter. Altw iener Volks- undNatursänger(=Veröffentlichungen des W iener Stadt- und Landesarchivs, Reihe B:Ausstellungskataloge, 48). W ien 1996; Jo sef Koller: Das W iener Volkssängertum inalter und neuer Zeit. Nacherzähltes und Selbsterlebtes. M it Biographien, Episoden,Liedern, zahlreichen Abbildungen und Porträts nach zeitgenössischen Bildern ausdem Volkssängerleben. W ien 19 31; Lied und Volksm usik in W ien. Anlässlich des4. Seminars für Volksliedforschung der Akademie für M usik und darstellendeK unst in W ien. Katalog zur 25. Sonderausstellung des Historischen M useum s derStadt W ien, 8.10.— 29.12.1968. W ien 1968; Schedtler 2004(wie Anm. 5); Schedtler2 0 10(wie Anm. 4); Ernst W eber: M ir geht alles contraire. 10 0 Volkssänger-Coup-lets aus W ien(=Enzyklopädie des W iener W issens, 16). W ien 2012.11 M artin W. Rühlemann: Varietes und Singspielhallen—Urbane Räum e desVergnügens. Aspekte der kommerziellen populären Kultur in M ünchen Endedes 19. Jahrhunderts(=Forum Kulturwissenschaften, 13). München 2012, S. 34.12M oritz C saky: Ideologie in der Operette und W iener M oderne. Ein kulturhistori-scher Essay zur österreichischen Identität. W ien, Köln, W eim ar 1996, S. 22.13Gertraud Schaller-Pressler: Hochgejubelt und tie f gestürzt. Ü ber Schicksale belieb-ter W iener Volksm usiker und VolkssängerInnen. In: Schedtler(wie Anm. 5),5. 83—10 4, S. 94.14Schedtler 2 0 0 4(wie Anm. 5), S. 158.
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde118 (2015) / N.S. 69Mochar, Iris: Von Volksliedgesang, Volkssängern und Volkssängerinnen im Wien der Zwischenkriegszeit
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde118 (2015) / N.S. 69Mochar, Iris: Von Volksliedgesang, Volkssängern und Volkssängerinnen im Wien der Zwischenkriegszeit
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Von Volksliedgesang, Volkssängern und Volkssängerinnen im Wien der Zwischenkriegszeit : Wandlungsprozesse in einem volkskundlichen und ideologisch motivierten Spannungsfeld
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