Zusammen mit den Ergänzungen zum Thema Sammelbild überhaupt und Liebig-bild im besonderen im Katalog„ ABC des Luxuspapiers“ bietet vorliegendes Hefteinen instruktiven Überblick über dieses Thema und ist auch von der grafischen Ge-staltung her sowie durch die zahlreichen farbigen Abbildungen typisch für die aus-gezeichneten Schriftenreihen und Kataloge des Museums für Deutsche Volkskundein Berlin. Als Quelle zur Volkskunde des Bürgertums Ende des 19. und Anfang des20. Jahrhunderts sind die Sammelbilder zudem sicher noch nicht ausreichend er-schöpft.
Eva Kausel
Regine Falkenberg, Kindergeburtstag. Ein Brauch wird ausgestellt. Katalogzur gleichnamigen Ausstellung im Museum für Deutsche Volkskunde, Berlin,vom 26. 6. 1984 bis 18. 8. 1985. Mit Beiträgen von Andreas C. Bimmer, BrittaGaedecke- Eller, Theodor Kohlmann und Ingeborg Weber- Kellermann(= Schrif-ten des Museums für Deutsche Volkskunde, Bd. 11), Berlin 1984. 192 Seiten,zahlreiche Schwarzweißabbildungen.
Die Schriften des Museums für Deutsche Volkskunde in Berlin sind weit mehr alsbloße Kataloge. Sie sind umfassende, ausgezeichnet zusammengestellte und grafischansprechend gestaltete Monographien zu den verschiedensten Themenbereichen.Man denke nur an„ Das ABC des Luxuspapiers“,„ Dienstbare Geister" usw. Vor-liegender Band von Regine Falkenberg ist ein weiteres Beispiel dafür in dieser
Reihe.
Ein bestimmter Ausschnitt aus dem großen Komplex Kindheit, nämlich der Kin-dergeburtstag, wurde ausgewählt und in einer Ausstellung vorgestellt. Die Autorinhat bereits eine Dissertation zu diesem Thema- Kindergeburtstag. Eine Brauchstu-die über Kinder und ihr Fest. Marburg 1982- auf Grund von Befragungen erarbeitetund durch die Auswertung primärer und sekundärer Quellen angereichert und aus-geweitet. Vor dem Kontext der Welt der Erwachsenen, der Erziehung, der Schulewird versucht, wie bei einem Puzzle aus literarischen Zeugnissen, Kindheitserinne-rungen, Fotos, Glückwunschkarten, Kerzen, Geschenken, Geschirr, Schmuck.ein Bild zu erstellen. Es ist eine Ausstellung, die nicht vom Objekt ausgegangen isteine für die meisten Museen ungewöhnliche Vorgangsweise und auch keinen be-sonders pittoresken Brauch darzustellen suchte. Trotzdem konnten ca. 1000 Objek-te versammelt und gesammelt werden und so ein wichtiges Ereignis im kindlichenLebensfestkreis, das auch heute und gerade heute seinen festen„ Sitz im Leben“ hat,sichtbar machen. Daß es sich bei den Kindern hauptsächlich um Angehörige bürger-licher Gesellschaftsklassen handelte und nur wenig, vor allem historisches Materialzum Kindergeburtstag im ländlichen und Arbeitermilieu vorliegt, läßt sich unschweraus den sozialen und materiellen Bedingungen erklären.
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Der Kindergeburtstag spielt sich hauptsächlich im familiären Rahmen ab, jedeFamilie pflegt ihre eigenen Rituale und Zeichen zu haben, so daß sich kaum All-gemeingültiges ableiten läßt. Die Autorin versucht daher, einen„ Katalog von Fest-elementen“ zu erstellen,„ deren Auswahl und Kombination zeitlich, schichtspezi-fisch, konfessionell variieren und außerdem an familiäre Traditionen gebundensind". Neben der Geschichte des Geburtstages( und des Namenstages), dem Schen-ken und Einladen als Ritual, den Geschenken in ihrer Bedeutung und Beziehung,
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