Ein weiteres Ergebnis der breit angelegten Sammlung ländlicher Anschreibebü-cher im Museumsdorf Cloppenburg ist die Erhellung des Bildungsstandes( der Lese-,Schreib- und Rechenfähigkeiten) der ländlichen Bewohner und dessen zeitliche undsoziale Unterschiede.
Seit 1970 werden Tagebücher dieser Art sowohl von Bjarne Stocklund und seinerForschungsgruppe in Dänemark als auch von Helmut Ottenjann und Günter Wiegel-mann( Volkskundliches Seminar der Universität Münster) untersucht und gesam-melt. Dieser vorliegende Band ist damit die Zusammenfassung eines langfristigen in-terdisziplinären und internationalen Forschungsprojektes, das auch bei einerArbeitstagung im Niedersächsischen Freilichtmuseum in Cloppenburg( März 1981)der Fachwelt vorgestellt wurde. Der ausgezeichnete Überblick über die möglichenProblemstellungen jener sowohl für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte als auchfür die historische Volkskunde überaus ergiebigen Quellen darf als Ansporn zu ver-gleichbaren Studien in anderen Regionen Europas verstanden werden.
Ulrike Aggermann- Bellenberg
Detlef Lorenz, Liebigbilder. Große Welt im Kleinformat. Katalog(= KleineSchriften der Freunde des Museums für Deutsche Volkskunde, Heft 3). Berlin,Verein der Freunde des Museums für Deutsche Volkskunde, 1980. 48 Seiten.Drei Jahre vor der bedeutenden Ausstellung des Museums für Deutsche Volks-kunde in Berlin mit dem Thema„ Das ABC des Luxuspapiers. Herstellung, Verar-beitung und Gebrauch 1860-1930“ wurde bereits eine Übersicht über eine Variantedes Sammelbildes, das sogenannte„ Liebigbild", gezeigt.
Justus von Liebig(* 12. 5. 1803 in Darmstadt, † 18. 4. 1873 in München) war be-reits mit 21 Jahren auf Vermittlung von Alexander von Humboldt Professor derChemie in Gießen. Neben bedeutenden Erfindungen und Forschungen( z. B. Ent-deckung des Chloroforms und der Mineraldüngung) beschäftigte er sich auch mitMöglichkeiten zur Verbesserung der menschlichen Nahrung und entwickelte einVerfahren zur Herstellung von Fleischextrakt. 1865 wurde dann ein Unternehmengegründet, das schon bald einen weltumspannenden Markt belieferte. Nicht zuletztdurch den Einsatz von Werbung wurde das Produkt„ Liebig's Fleisch Extract“ zueinem Markenartikel, der sich vor allem im bürgerlichen Haushalt etablierte, durch-aus im Gegensatz zu Liebigs Vorhaben, ein billiges Volksnahrungsmittel herzustel-len. Als Werbemittel wurden ab 1872 Bildchen hergestellt, die ihre Vorläufer vorallem in den französischen Werbebildchen des Pariser Warenhauses„ Au BonMarché" hatten. Anfangs nur einzeln herausgegeben, wurden die Bildchen bald zuSerien zusammengestellt und führten ab ca. 1890 zu einer wahren„, Sammelepide-mie" in ganz Europa. Die aufwendig hergestellten Liebigbilder( 14 farbige Chromo-lithographien) erschienen in 14 verschiedenen Ländern und umfassen von 1872 bis zuihrer Einstellung in Deutschland 1940( Belgien 1962, Italien 1975) ca. 1183 Serienmit etwa 7000 Bildern. Die Ausstellung zeigte in 13 Themengruppen gegliedert eineAuswahl von 117 Serien in deutscher Sprache mit ungefähr 700 Bildern. Jeder Grup-pe ist ein kurzer Einführungstext vorangestellt, der auf den Inhalt der in diesem Ab-schnitt zusammengefaßten Serien eingeht. Zu wenig wird m. E. auf den Text, dersich auf der Rückseite der Bildchen befindet, eingegangen.
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