Im Anhang werden noch die Verfahren bei der Aufnahme und Auswertung einer-seits der deutschen Auswandererlisten und anderseits der amerikanischen Volks-zählungsdaten erläutert. Der Band wird abgeschlossen durch die Verfahren bei derBerechnung der Auswanderungsintensität nach Regierungsbezirken und zahlrei-chen Briefen von Tecklenburger Auswanderern.
Wie schon der Untertitel vermerkt, eine Sozialgeschichte der Emigration, reichdurch statistisches Material untermauert. Ein ungemein komplexes Werk mit fleißigverarbeiteter Literatur; trotzdem fehlen übergeordnete Arbeiten, etwa vonChmelar, Graupner, Greverus, Hoechmeier, Spoulding. Man würde sich für unsereösterreichischen Verhältnisse eine gleichartige Grundlagenerhebung erhoffen, auchwenn Ilg für Tirol/ Südamerika oder Dujmovits für das Burgenland/ Nordamerikaüber„ Austria externa“ so der Titel eines diesbezüglichen Notring- Jahrbuches( Wien 1968)- vorgearbeitet haben. Die Ausstellung„ Alte und Neue Heimat. DieAuswanderung der Burgenländer nach Amerika" des Instituts für Gegenwartsvolks-kunde der Österreichischen Akademie der Wissenschaften( mit Katalog des Rezen-senten, Mattersburg 1981) sowie das vorliegende Werk sollten erneut dazu einenAnstoß geben.
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Michael Martischnig
Albrecht A. Gribl, Dorfener Land in Geschichtsbildern. Das Werk desHeimatforschers Pfarrer Josef Gammel( 1901 bis 1959). Dorfen, Druckerei- Ver-lag Norbert Päbst, 1980( erschienen 1983). Geb., 514 Seiten.
A. A. Gribl, derzeit am Bayerischen Nationalmuseum München tätig für die,, nichtstaatlichen Museen Bayerns", hatte 1978 mit einer sehr guten Dissertationüber„, Unsere Liebe Frau zu Dorfen. Kulturformen und Wallfahrtsleben des 18.Jahrhunderts" beim Unterzeichneten in München promoviert( vgl. ÖZV XXXVI/ 1,1982, 60-62). Nun legt er hier das umfangreiche heimatkundlich- kulturhistorischeWerk des( 1959 tödlich verunglückten) Pfarrers Josef Gammel( 1901 bis 1959) vor,das als Muster für viele Ortsmonographien aus Archivalien und aus volkskundigerBeobachtung in den unter mannigfachen Einflüssen sich wandelnden Pfarren undOrtsgemeinden auch bei uns dienen könnte. J. Gammel, einer Zehnkinderfamilie inländlicher Umgebung entstammend, empfand das Umland seiner Pfarre im ErdingerLande( nordöstlich von München) nicht nur als Seelsorgebereich, sondern alsLebensraum historischer Volkserinnerungen und lebendiger Gegenwart. Er hatteviel in Einzelaufsätzen für Zeitungen und Zeitschriften, manches in heute kaumauffindbaren Büchlein vorgelegt( vgl. die achtunggebietende Bibliographie,S. 465-474), wohl auch an eine gesammelte Ausgabe gedacht. Die Forschungen ge-hen ein auf Siedlung und Höfegeschichte, auf Einzelpersonen und Schicksale inKriegs- und Pestnöten ab dem späteren 16. Jahrhundert, auf Brände und Hochwas-ser. Sie richten sich auf gut beobachtetes Handwerk in den Zünften und auf denMärkten, auf Schulwesen und Brauereitraditionen. Vor allem spiegelt sich in ihnenaus Pfarrchronik mit Eigenveranstaltung und abgefragten Erinnerungen ein reicheskirchlich- religiöses, stark an Bruderschaften gebundenes Leben von Klerikern undOrdensfrauen, von gläubigen Marktbewohnern und zuströmenden Pilgern. Auchdie Wallfahrten der näheren und der weiteren Umgebung von Dorfen und manchanderes„ Aus dem Erdinger Moos und dem Holzlande" sind hier aus dem weit-
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