Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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detailliertes Register der Sammlungsbestände fehlt leider vorläufig, wäre aber sinn-voll und machbar. Man erfährt aus der Einleitung, daß angestrebt wird, alle Samm-lungen systematisch zu inventarisieren, bis sämtliche Bestände erfaßt sind, sowieeinen zentralen Quellennachweis beim Sudetendeutschen Archiv, München, ein-zurichten, was mir sehr wichtig erscheint im Hinblick auf einen Korpus erhaltenerSachrelikte des ehemaligen sudetendeutschen Auslandsdeutschtums.

Hermann Steininger

Josef Lanz und Rudolf Unterschütz: Heimat Galizien im Bild. Heimatbuchder Galiziendeutschen. Teil III. Hrsg. vom Hilfskomitee der Galiziendeutschen.Stuttgart Bad Cannstatt 1983, 327 Seiten.

Den beiden Heimatbüchern der Galiziendeutschen Heimat Galizien und Auf-bruch und Neubeginn" folgt als dritter Band ,, Heimat Galizien im Bild" als sinnvolleund noch fehlende Ergänzung. Redigiert wurde er von Josef Lanz() und RudolfUnterschütz, die beide bis 1945 in Galizien lebten und somit als echte Kenner undZeugen dieses Siedlungsgebietes gelten dürfen.

Dem Bildband ist eine kurze und prägnante Einführung in die galizische und gali-ziendeutsche Geschichte, Besiedlung, Herkunftsorte der Kolonisten, die deutscheVolkskunde sowie Umsiedlung und Vertreibung vorangestellt. Die Studie enthältSchwarzweißaufnahmen aus den Jahren von ca. 1850 bis 1945. Sie wird durch ausge-zeichnete Karten von galizischen Landschaften und Dörfern, Wiedergaben vonAquarellen, farbigen Skizzenzeichnungen sowie Gemeindesiegeln und Gedichten in,, Pfälzer Mundart" aufgelockert.

Die Fotosammlung ist beeindruckend, denn sie stellt auch das tägliche Leben derDeutschen im fremden Land während eines Zeitraums mehrerer Generationen dar.Die galiziendeutschen Siedler werden beim Pflügen, bei der Ernte, beim Spinnen,bei der Heimfahrt von der Feldbestellung, bei Festen, Feiern und Begräbnissen usw.gezeigt. Es ist fotografierter All- und Festtag aus dem Gesichtswinkel von Amateur-und Wanderfotografen. Das Buch enthält auf einigen Blattseiten scheinbar neben-sächliche, zufällige Momentaufnahmen, aber an vielen Stellen des Bildbandes wer-den Dokumente von zeitgeschichtlicher Bedeutung fotografisch festgehalten und fürdie Nachwelt aufbewahrt. Es ist eine Fotodokumentation, aus deren Bildermaterialsich ein Mosaik der galiziendeutschen Geschichte zusammensetzen läßt. Die facet-tenreichen Aspekte der fotografischen Aufnahmen sind meisterhaft verknüpft. Sieöffnen eine Pforte zum Verständnis eines Stücks Auslandsdeutschtums, zeigen maẞ-gebliche Zusammenhänge, beleuchten in bildreichen Aufzeichnungen den täglichenUmgang der Galiziendeutschen mit anderen Volksgruppen im galizischen Völker-meer, das Nebeneinander von Leben und Sterben, Freude und Verzweiflung, Elendund Arbeit sowie Überlebenskampf und Beharren im Deutschtum. Es sind erschüt-ternde Bilder darunter, und es sind nicht immer die spektakulärsten und markante-sten,die unter die Haut gehen.

Dieser prächtige und aussagekräftige Bildband wird alle Galiziendeutschen sowieihre Nachkommen und alle an der Volkskunde, an der Geschichte des Auslands-deutschtums und des Landes Galizien Interessierten faszinieren und eine reicheBildfundgrube sein.

Manfred Ernst Ganz

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