Die Organisatoren, in erster Linie die Mitarbeiterin des Österreichischen Mu-seums für Volkskunde, Dr. Margot Schindler, die versucht hat, in bezug auf denWaschtag die Ausstellungskonventionen der Museologie zu überwinden, bzw. Dr.Helene Grünn, die das Interesse auf die gesellschaftlichen Aspekte des Waschtageslenkte, haben große Verdienste dabei, daß man auf die heute natürlich bereits etwasverblaẞte Bedeutung einer neuartigen Lebensweise im Epochenwechsel aufeinan-derfolgender grauer Alltage sowie jene Attribute aufmerksam wurde, die als Requi-siten des neuen Lebensstils gelten. In dieser Empfindsamkeit historischen Proble-men gegenüber meine ich die Aktualität, jenen besonderen Umstand zu entdecken,der diese Präsentation zu einem herausragenden Ereignis der Geschichte der Wis-senschaft macht. Alle geistigen Anstrengungen, die darauf abzielen, unter Beibehal-tung der besten Traditionen der österreichischen Volkskunde gleichzeitig zur Er-neuerung des gesamten Wissenschaftsbereichs beizutragen, treten bei dieser Aus-stellung deutlich in Erscheinung. Diese Bemühungen sind darauf gerichtet, die Wer-te der alten Gelehrsamkeit zu wahren und sie gleichzeitig mit den Ergebnissen derGegenwartsforschung zu verbinden. Wer etwa denkt, daß ein dermaßen peripheri-sches Thema keine so große Aufmerksamkeit verdiene, der irrt gewaltig; wie großsein Irrtum ist, beweist diese Ausstellung.
Es freut mich sehr, daß nach dem Budapester Ethnographischen Museum nunauch die Stadt Debrecen und insbesondere das Déri- Museum Anteil an dem gewißwohlverdienten Publikumserfolg haben wird. Debrecen, diese traditionelle undstark intellektuell geprägte Hochburg der Volkskunde und der Popularisierung dermuseologischen Wissenschaft, stellte mit der Durchführung dieser Ausstellung seineAufgeschlossenheit allem Neuen gegenüber sowie die Tatsache unter Beweis, daß eseine begeisterte und sachkundige Werkstätte der internationalen kulturellen Kon-taktpflege ist.
Ich bedanke mich bei allen Kollegen und Freunden, die bemüht waren, diese Aus-stellung in die Wege zu leiten und ich danke ebenfalls dem Komitatsdirektorat dafür,daß es nicht nur seine Bereitschaft, sondern in spektakulärer Weise auch seine Ab-sicht zur Durchführung der Ausstellung zum Ausdruck brachte. Schließlich dankeich den Vertretern der Österreichischen Botschaft, allen voran Herrn BotschaftsratDr. Karl Schramek, der die hervorragende Idee unterbreitete, diese Ausstellungauch hier im Déri- Museum durchzuführen und der selbst viel für deren Verwirkli-chung getan hat.
Es versteht sich von selbst, daß ich an die hier anwesenden Kollegen des WienerMuseums, Herrn Direktor Dr. Klaus Beitl, meinen lieben Freund, und Dr. MargotSchindler, die diese Ausstellung betreut hat, keine Dankesworte zu richten habe.Wie schon so oft, hat sich auch dieses Mal erfreulicherweise bestätigt, daß das Anlie-gen unserer Museen gemeinsam ist; und für das, was man als das eigene betrachtet,braucht man sich wohl nicht zu bedanken.
Tamás Hoffmann
,, Bei offener Lade"
Ein museumspädagogisches Modell im Österreichischen Museum für Volkskunde( mit 4 Abbildungen)
Museumsbesuche, die den normalen Lehrbetrieb der Schulen unterstützen, oderdie helfen, den Lehrstoff anschaulicher, lebendiger zu gestalten, haben schon
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