Osttirols ländlich- bäuerlicheArchitektur im Umbruch
Von Lois Ebner
Die Hauskunde in Österreich kann bekanntlich gleichwohl aufeine beinahe hundertjährige Tradition wie auch auf zahlreichenamhafte Vertreter und hervorragende wissenschaftliche Ergeb-nisse verweisen. Die Erforschung und erkenntnistheoretische Ver-ankerung des Phänomens„ Volkstümliches Siedeln, Bauen undWohnen" waren immer auch ein erklärtes Anliegen¹) unseres hoch-verehrten Jubilars Karl Ilg. Nicht zuletzt sei an dieser Stelle aufseine jüngsten Impulse für die Hausforschung durch die im Jahre1980 in Feldkirch durchgeführte Österreichische Volkskunde-tagung hingewiesen.²) Der folgende Beitrag mag als Ausdruck derbesonderen Wertschätzung des Innsbrucker Ordinarius für Volks-kunde( Europäische Ethnologie) und als bescheidener Dank fürseine wohlgemeinten Anregungen zur Abfassung der„, Hauskundevon Osttirol" ³) stehen.
Für viele Außenstehende bedeutet unser an Drau und Isel ge-legenes Ländchen Osttirol4) eine kleine heile Welt, die ihren Cha-rakter der Abgeschlossenheit, ja Unberührtheit- oft kurzerhandmit Rückständigkeit abgetan-, weitgehend bewahren konnte undihnen das Gefühl der Geborgenheit zu geben vermag. Diese nichtselten geäußerte, von einem Teil der heimischen Bevölkerung zwargerne gehörte, doch skeptisch erwogene Auffassung kann mit Vor-behalt und insofern zu Recht vertreten werden, als die übrigen Lan-desteile Tirols durchwegs früher und eine in ihrem Ablauf weitraschere und nachhältigere Entwicklung genommen haben, die insämtlichen Bereichen des volkstümlichen Gemeinschaftslebensdeutlich zu Buche schlug. Darunter zeigt sich der Wandel beimländlich- bäuerlichen Bauen und Wohnen am offenkundigsten.
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