der eigentlichen wissenschaftlichen Aufarbeitung seines Materials hinderte. EmmiBöck rekonstruierte mit viel Mühe den Lebesweg dieses Mannes, über den beinahekein biographisches Material aufzufinden war. Sie zeigt die Lebenssituation und dieBedingungen auf, unter denen das Sagenwerk entstanden ist, und widmet ein eige-nes Kapitel Schöppners Arbeitsweise und der Kritik daran, die schon zu seinenLebenszeiten laut wurde. Im Vorwort zu seinem dreibändigen Werk gibt SchöppnerAuskunft über Anlaß und Zweck der Sammlung, über die Darstellung der Sagen,ihre Abgrenzung und Anordnung sowie über den gewünschten Leserkreis, für denSchöppner die Texte seiner Sammlung trivialliterarisch veränderte. Emmi Böcksetzt sich mit dieser Absicht des Autors auseinander und schließt an die regional ge-ordneten Legendentexte( Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, Mittelfranken,Oberfranken, Unterfranken, Schwaben) einen ausführlichen Kommentarteil an.Ein reichhaltiges Literaturverzeichnis, Angaben zur Herkunft der Texte aus Schöpp-ners Sammlung sowie detaillierte Sach-, Personen- und Ortsregister machen das vor-liegende Buch neben seiner Bedeutung für die bayerische Erzählforschung und Re-gionalgeschichte auch zu einem interessanten Dokument der sammlerischen undvolksbildenden Bestrebungen des 19. Jahrhunderts.
Eva Kausel
Walter Kreindl, Unsere alten Bauernhöfe. Mit volkskundlichen Einführun-gen von Kurt Conrad, Gunter Dimt, Werner Galler, Hans Gschnitzer, Karl Ilg,Oskar Moser und Sepp Walter. Verlag Welsermühl( Wels 1982), 256 Seiten mitzahlreichen Farbtafeln in Offsetdruck.
Johann Kräftner, Österreichs Bauernhöfe. Eine Dokumentation der letztenZeugen einer versinkenden Baukultur. Innsbruck, Pinguin- Verlag( 1984), 136Seiten mit zahlreichen Farbbildern, Zeichnungen und Plänen, 1 Hofformenkarte.Während in den letzten Jahren tatsächlich der Bestand an traditionellen Altfor-men unserer ländlichen Baukultur stärker noch als in den Städten verschwindet undnur sehr vereinzelt in Freilichtarealen unter musealen Gewahrsam genommen wer-den konnte, wächst anscheinend doch die Erkenntnis eines unwiederbringlichenVerlustes an Zeugen dieser Baukultur und des Unterganges zahlreicher Kulturland-schaften, die wie weniges sonst dem Identitätsempfinden des Österreichers entspre-chen. Der Mangel einer gut ausgestatteten und doch auch fundierten Dokumenta-tion dieses historischen baulichen Erbes provoziert daher verständlicherweise Archi-tekten, Liebhaber, Fotografen und selbst Maler sowie einige Verlage immer wiederzu dem Versuch, diese so farbenreiche und vielfältige Welt ländlichen Bauens in Bil-dern festzuhalten und durch einführende oder zusammenfassende Erläuterungen zuerklären.
Auch die vorstehend angeführten Titel wird man zuvörderst wohl nur aus diesemGesichtswinkel sehen und beurteilen können. Aus der Sicht der heutigen Ansprücheeiner modernen Siedlungs- und Hausforschung können sie ja schon von der Wahlihres ganz auf Bildästhetik und Bildwirkung abgestimmten Inhaltes her nur sehr be-dingt herangezogen und als„, Dokumentation" gewertet werden. Denn auch bei ih-nen trifft weithin mißlicherweise zu, was J. Kräftner in seiner lesenswerten Einlei-tung über„ Österreichs Bauernhöfe“ durchaus zutreffend selbst formuliert( S. 8):,, Man könnte sagen, daß alle Architekten dieser Zeit... das Bauernhaus nicht so,wie es ist, wiedergaben, sondern so, wie sie es sehen wollten; nicht die materielle
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