Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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- M. Bourboudakis, Byzantinisches Kreta. München 1983; volkskundliche"Aspekte treten leider gegenüber Kunst- und Kulturhistorie bedauerlicherweise zu-rück. Vgl. die Rez. v. L. Kretzenbacher, Byzantinische Zeitschrift, Jg. 1984( imDruck). Das Variantenmaterial ist aus dem ungemein reichen Nachlaßerbe des bis-her nach N. G. Polites gewiß bedeutendsten Volkskundlers Georgios A. Megas( 1893-1976) entnommen. Er allein konnte es auf den Nachweis von 101 Variantendes AaTh- 313c- Typus bringen. Zudem gab es bereits seit längerer Zeit sieben fremd-sprachige Übersetzungstexte, die ihrerseits freilich wiederum vorwiegendphilologische Probleme aufwerfen.

Die Analyse der Varianten ist sorgfältig erfolgt. Die allgemeine Verbreitung desMärchentypus in der italienischen Kunstliteratur erweist sich als erstaunlich dicht.Das läßt auf eine ehedem doch sehr lebhafte Anteilnahme von Hörern wie zuneh-mend doch wohl auch von Lesern schließen. Sie sind dann den speziell griechischen,dabei bei weitem nicht nur kretischen Märchenvarianten gegenübergestellt. Für siewerden Bibliographie, Übersetzungen und methodisch auf den neuesten Stand ge-brachte Analysen gegeben. Erst daran schließt sich die Behandlung des Versfrag-mentes aus einem erschließbaren Spieltext- Erbe verschollener Praxis des Unterhal-tenden im Dialogischen.( Textabdruck des rekonstruierten Versfragmentes imgriech. Original S. 203-209; dieser Abdruck erscheint dem Rezensenten unbedingtnotwendig, da für eine seit langem angekündigte griech. Spezialuntersuchung einZeitpunkt des Erscheinens wie der- bei griechischen Publikationen für Mittel-europa arg erschwerten Zugänglichkeit noch nicht abzusehen ist.) Auf Herkunfts-frage, Gattungsbestimmung, auf Methoden, Möglichkeiten und Grenzen einer hieralso bereits versuchten Textrekonstruktion zur Wiederherstellung eines Stückes"der verklungenen Spielwelt auf Kreta im frühen 17. Jahrhundert( vielleicht sogarschon im ausgehenden 16. Jh.?) wird viel Mühe verwendet. Aber gerade dafür bietendie Verfassernamen beste Gewähr. Zumal, da Walter Puchner in allerjüngster Zeiteine Fülle seiner Arbeiten zur Europäischen Theaterwissenschaft"( EyroopaïkéeTheatrología) in 12 ausgewählten Beiträgen( Héndeka meletéemata) zu Athen 1984hat herausbringen können( Athen, Idryma Goulanari- Chorn, brosch. 557 Seiten; inder Mehrzahl Arbeiten zur älteren und griechischen Theatergeschichte des Festlan-des, Kretas, des Heptaneesos, auch über das Problem des Schattentheaters").Leopold Kretzenbacher

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Bertrand Michael Buchmann, Türkenlieder zu den Türkenkriegen undbesonders zur zweiten Türkenbelagerung. Wien- Köln- Graz, Her-mann Böhlaus Nachf., 1983. 120 Seiten, Notenbeispiele.

Im Zuge des Großen Türkenjahres 1983 konnte es nicht ausbleiben, daß auchdas volkstümliche Liedgut in Erinnerung an die Türkennot vor 1683 und besondersan die zweite Wiener Türkenbelagerung vor 300 Jahren erneut Beachtung gefundenhat. Der Historiker Bertrand Michael Buchmann hat sich der Aufgabe unterzogen,in umsichtiger Kompilation das in bekannten Sammlungen verstreute veröffentlichteMaterial historisch motivierten Volksgesanges aus dem Stoffkreis der Türkenlie-der" herauszugeben. Es bleibt im einzelnen zu überprüfen, ob diese postulierte undfür eine solche Edition auch wünschenswerte Lückenlosigkeit" bzw. Vollständig-keit bei der Erfassung aller möglichen Quellen erreicht worden ist, denn es fehlt dervorliegenden Darstellung ein diesbezüglicher allgemein einführender Abschnitt

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