Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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Von dieser Sicht her bedauert man es zutiefst, daß die großartige Sammlungsaufnah-me durch H. Kriss im Este- und im Melauner Bereich noch immer nicht veröffent-licht werden konnte. Was der Forschung dadurch vorenthalten bleibt, ist kaum zu

ermessen.

Richard Pittioni

Manusos I. Manusakas- Walter Puchner, Die vergessene Braut. Bruchstückeeiner unbekannten kretischen Komödie des 17. Jahrhunderts in den griechischenMärchenvarianten vom Typ AaTh 313c. Mit 4 Karten im Text und einer Tabelle.Österreichische Akademie der Wissenschaften, phil.- histor. Klasse, Sitzungsbe-richte, 436. Band(= Mitteilungen des Instituts für Gegenwartsvolkskunde,Nr. 14). Wien, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1984.Brosch. 323 Seiten.

Die vorliegende Arbeit erachte ich für eine sehr erfreuliche Bereicherung der heu-te in der Anzahl im Wachsen begriffenen, aber selten so wie hier tiefgreifenden Stu-dien zu einer Vergleichenden Ethnologia Europea, zur Theatergeschichte( für diesich- mit sehr breiten und reich dokumentierten Arbeiten seiner Volkskunde- For-schungen Walter Puchner in Wien habilitiert hatte), zur Kulturanalyse auf Grundvon eingehenden Quellenstudien, jahrzehntelangen Archivforschungen und ausge-dehnten Feldforschungen zur Gegenwartsüberlieferung z. T. schriftlich, zum größe-ren Teil lange Jahrhunderte hindurch mündlich" weitergegebenen Erbes aus frühenund vielschichtigen Kontaminationen bestimmter Themen in mehrfachen Erschei-nungsformen der Genres. M. I. Manusakas, Prof. für Mittelalterliche und NeuereGeschichte zu Thessaloniki, dessen langjähriges Wirken so sehr auch 1966 bis 1982das Istituto di Studi bizantini e postbizantini bei San Giorgio dei Greci zu Venediggeprägt hat, und W. Puchner, der derzeit an der Drei- Städte- Universität von Kreta( Iraklion Rethymon- Chandia) Ethnologie lehrt, haben sich hier zunächst umeine Motiv- Analyse bemüht. Die narrativen Motive ,, magische Flucht und, Verges-sene Braut"( zumeist bekannt als Fiorentinos und Dolcetta") sind europaweitvariantenreich dicht belegt. Hier treten sie nun, was selten ist, in Märchenüberliefe-rungen auf. Das heißt also: nicht nur in der erwarteten Form von Balladen, von so-genannten ,, Volksbuchtexten"( neugr. deemóodia biblía; laïkà phylládia), im Sze-nischen etwa eines Volksschauspiels"( oder anderer Formen des Dramas). Siemachen vielmehr ein unerwartetes, von offenkundig vielen Kulturerbe- Faktorenbestimmtes einstiges Eigenleben in einem( schwer zu entscheiden, ob Hoch-" oder,, Volks"-Kunst- Spiel, Komödie aus altvenezianischem Erbe?) als Grundlagemehr als nur wahrscheinlich. Das hier untersuchte Motivkonglomerat muß einemals Gesamttext trotz ungemein vieler Forschungen( vgl. die BibliographieS. 228-231) als verschollen" zu bezeichnenden- Theaterstück entstammen, dasnoch zu Ausgang der romanisch- katholisch- adelspatrizisch wie der autochthonengriechisch- orthodox- ,, byzantinisch- volkstümlich geprägten Sonderkultur zur Zeitder venezianischen Herrschaft im Königreich Kreta- Candia( 1211 bis 1669) zu-gehörte. Schon von daher ergeben sich in dieser Untersuchung viele notwendige,aber auch Klischees berichtigende Exkurse zur italokretischen Mischkultur. Von ihrhat die Allgemeinheit, wenn überhaupt, ja doch nur ungefähre Vorstellungen ausdem Gebiet der Bildenden Kunst( maniera greca u. dgl.). Hier darf man als bedeu-tenden Erkenntniszuwachs dieses Buch nennen: K. Gallas

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K. Wessel

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