Schalen, Schüsseln, Fußgefäße, Paletten und sogar auch Gefäße angefertigt, derenVerwendung wahrscheinlich gleichfalls im Kultbereich zu suchen ist: so eine großeflache Schüssel mit 16 schematisch ausgefertigten Vogelfiguren auf deren Innenflä-che. Wiewohl die neben den Marmorgefäßen vorhandene Keramik gut ausgefertigtist, tritt sie doch hinter den Steinerzeugnissen zurück. Diese nämlich bestimmen denGesamtcharakter des kykladischen bronce ancien. Deshalb überrascht es nicht,wenn solche Marmorfiguren auch nach Kreta gekommen sind und hier im Früh-minoisch- II- und-III- Verband auftreten. Man wird aber kaum annehmen dürfen,daß sie Objekte des kommerziellen Austausches gewesen sind, eher sind sie von denkykladischen Seefahrern aus religiösen Gründen mitgenommen worden. DerKatalog ist ausgezeichnet ausgestattet, jedes Objekt gut beschrieben und abgebildet.Aber staunen darf man, was ein Privatsammler zusammentragen konnte.
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Richard Pittioni
L'Art Celtique en Gaule. Collections des Musées de Province, 1983-1984.24 × 21 cm. 219 Seiten mit vielen Abbildungen im Text, Paris 1983.
Dieser Ausstellungskatalog ist eine wahre Fundgrube für jeden, der an den Er-scheinungen der Latènekultur interessiert ist. Allein schon der Farbumschlag mitdem Bild des Goldtorques und einiger Goldstatere aus dem berühmten Fund vonTayac bei Libourne, Dép. Gironde, ist ein Anziehungspunkt besonderer Art. DerKatalog selbst besteht aus einer Reihe von Kurzbeiträgen über Spezialkapitel derLatènekultur, ergänzt durch die Einzelbeschreibung der ausgestellten Objekte, vondenen die überwiegende Mehrzahl im Bild festgehalten ist. Es war zweifellos eineglückliche Idee, das in größeren Provinzmuseen vereinigte einschlägige Fundgut inAuswahl zusammenzutragen, um damit auch einen allgemeinen Überblick über dieregionalen Erscheinungen der Latènekultur auf dem Boden Frankreichs zu erzielen.Daß man hierfür besonders eindrucksvolle Objekte wählte, ist selbstverständlich,doch sind auch einfacher ausgestattete Grabinventare aufschlußreich dafür, wie bei-spielsweise die typische Marne- Keramik in etwas entfernter vom Entstehungsgebietliegenden Bereichen vereinfacht worden ist. Als gutes Beispiel dafür darf der Be-stand aus Grab 6 von Breuil- le- Sec, Dép. Oise, in der Picardie genannt werden. Ichhalte dieses Material deshalb für so beachtenswert, weil es als sprechende Parallelezu der im nördlichen Voralpenland nachgewiesenen Marne- Keramik leicht ver-änderter Art angesprochen werden kann. Übrigens wäre der Katalog eine guteGelegenheit dafür gewesen, die regionalen Unterschiede der Latènekultur inner-halb der gesamten Gallia deutlich herauszuheben, um damit auch die Südverbrei-tung der Marne- Keramik zu verbinden. Von ihr ist im südgallischen Bereich bis jetztnoch kaum Näheres bekannt, obwohl mit ihrer Verbreitung die Ausdehnung galli-scher Geisteshaltung wird zu verbinden sein. Man ist deshalb vielleicht doch etwasenttäuscht darüber, daß den Holz- Devotionalien aus dem Quellgebiet der Seinesowie jenen aus der Source des Roches in Chamalières( Clermont- Ferrand) nichtmehr Platz innerhalb des Katalogs eingeräumt worden ist. So hätte vielleicht dieWiedergabe der„ Bittschrift“ an Maponos gut in diesen Rahmen hereingepaẞt. DieHolzskulpturen aus dem Quellgebiet der Seine und aus dem Heiligtum in Chamaliè-res sind großartige Ergänzungen zu der Fülle der Bronze- Weihegaben in den be-kannten iberischen Heiligtümern, in denen sowohl die Abbilder der Donatoren wieauch die in Bronze geformten erkrankten Körperteile erhalten geblieben sind.
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