Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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allem auf die Nachweise von Hafnerzeller Graphithafnerei u. a. in Preßburg und inBudapest hinzuweisen wäre. Sehr dankenswert für den Archäologen sind dieweiteren Untersuchungen von A. Salamon und G. Duma über die ,, Bleiglasurenin der spätrömischen Kaiserzeit sowie von H. Steininger zur Frage der münz-datierten Gefäße des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Neu ist dann dasAusgreifen der Keramikforschung über Europa hinaus, und zwar konkret nachMarokko, dessen Töpfereien von R. Vossen besprochen werden.- So bietet derSammelband eine Reihe von aufschlußreichen, vor allem aber neuen Informationen,aus denen die kulturgeschichtliche Bedeutung der Keramikforschung eindrucksvollhervorgeht. Die Töpferware ist eben doch wie kaum eine andere Objektgruppegeeignet, Gestaltungswillen und dessen Eigenarten innerhalb geschlossenerBevölkerungsbereiche zu erfassen und für historische Erkenntnisse nutzbar zu

machen.

Richard Pittioni

L'Art des Cyclades dans la Collection N. P. Goulandris. Marbre, Céramique etMétal à l'âge de bronce ancien. Galeries Nationales du Grand Palais, Paris7 octobre 9 janvier 1984. 24 × 21 cm. 165 Seiten mit zahlreichen Abbildungen imText, Editions de la Réunion des Músees Nationaux, Paris 1983.

Unter ,, L'Art des Cyclades" sind vor allem die aus Marmor angefertigten Frauen-figuren zu verstehen. Deren überwiegende Mehrzahl ist nach einem Schema gearbei-tet, gleichgültig, in welcher Größe sie ausgefertigt worden sind. Man hat den Ein-druck, daß dieses Schema einer spezifischen Idee dient. Die Figuren sind meist langund schmal, der Hals ist übermäßig lang und der Kopf wie ein Gefäß daraufgesetzt,dessen Griffhenkel die Nase bildet. Solche Einzelheiten sind natürlich durch denRohstoff bedingt. Die Arme sind beim Ellenbogen abgewinkelt quer über denRumpf gelegt und die Geschlechtsmerkmale nur so weit angedeutet, daß eine Be-stimmung möglich ist. Doch sind männliche Figuren so gut wie unbekannt. Nebenden langschmalen Figuren, die in Überzahl vorhanden sind, gibt es noch kurzbreiteStücke, die auch etwas weniger sorgfältig ausgearbeitet sind. Eine Seltenheit ist eineFigur mit einem schief über die linke Schulter gehängten Blattkranz. Die Geschlos-senheit des Erscheinungsbildes dieser wie von der Welt entrückten weiblichenFiguren wie ganz anders sind da Hacilar- Figuren oder die kretischen ,, Schlangen-priesterinnen wird nur in ganz wenigen Ausnahmen durchbrochen. So gibt es inder Sammlung Goulandris eine Figur, deren linker Arm nach rückwärts abgebogenist und bis zur rechten Schulter herüberreicht. Auch Sitzfiguren sind nicht in gleichreicher Zahl anzutreffen; so gibt es eine weibliche Figur mit einem Becher in derrechten erhobenen Hand. Zeitlich sind alle der Marmorfiguren dem zweiten unddem dritten Abschnitt der kykladischen Früh- Bronzezeit und damit dem 3. Jahr-tausend v. Chr. zuzuordnen. Der erste Abschnitt dieser Periode beginnt noch im spä-ten 4. Jahrhundert v. Chr., ihm gehören die bekannten schematisch ausgefertigtenIdole in Violinkörperform an. Der Unterschied zwischen ihnen und den Marmor-figuren ist so groß, daß man kaum an einen Zusammenhang denken möchte. Er istaber anzunehmen, weil beide Formen dem gleichen Sakralbereich angehören. Inden Marmorfiguren wird man wohl vor allem das Abbild des verehrten Numen zusehen haben, womit sie sich als Andachtsbilder erweisen. Deshalb findet man dieMarmorfiguren auch als Beigabe in den Gräbern. Aus Marmor hat man noch

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