fasser seine besonderen Verdienste um den vielfach verdrängten, gegenwärtig aberin der volkskundlichen Forschung deutlich in den Vordergrund tretenden Themen-bereich erworben.
Klaus Beitl
Arthur E. Imhof( Hg.), Der Mensch und sein Körper. Von der Antike bisheute. München, Beck, 1983. 280 Seiten, 35 Abb.
,, Mensch und Körper in der Geschichte“ ist der Titel eines Projektes, das von derStiftung Volkswagenwerk finanziert, an der Freien Universität Berlin durchgeführtund in dessen Rahmen ein Vorlesungszyklus„ Der Mensch und sein Körper. Einwandelbares Verhältnis von der Antike bis heute" im Wintersemester 1981/82 vonWissenschaftlern verschiedener Disziplinen abgehalten wurde.
Während in Frankreich der Komplex der Körperlichkeit schon seit über einemJahrzehnt ein Forschungsfeld der Volkskunde darstellt- 1978 Ausstellung im Pari-ser Musée des arts et traditions populaires„ L'homme et son corps dans la sociététraditionelle“( vgl. auch Wassilia von Hinten, Französische Forschungen zur Kör-perlichkeit. In: BBV 8, 1981, H. 3, S. 155-163)-- hat im deutschsprachigen Raumvor allem Utz Jeggle auf die Notwendigkeit hingewiesen, daß sich die Volkskundedieses Bereiches annehmen solle( Utz Jeggle, Im Schatten des Körpers. Vorüberle-gungen zu einer Volkskunde der Körperlichkeit. In: ZfVk 76, 1980, H. 2, S. 169-188) und dieses Thema auch für einen Kongreß vorgeschlagen.( Vgl. BBV 8, 1981,H. 3, S. 154 und 147 ff.) Über die Reduzierung auf„, Volkserotik" hinaus umfaßt dasVerhältnis der Menschen zu ihrem Körper Bereiche wie Hygiene, Nahrung, Volks-medizin, Arbeit und Freizeit, Spiel und Sport usw. Vorarbeiten zu vielen dieser Ge-biete wurden und werden von der Volkskunde geleistet( eine Dissertation zum Be-reich Hygiene von Petra Helm entsteht zur Zeit in Wien), doch fehlt das umfassendeKonzept, die Zusammenschau, die durch eine Tagung zu diesem Thema sicher er-möglicht würde und für die das vorliegende Buch Anregungen in großer Zahl bietetund darüber hinaus auch die Möglichkeit der fruchtbaren Zusammenarbeit verschie-dener Disziplinen aufzeigt. Unter den Autoren finden sich Mediziner, Medizinge-schichtler, Soziologen, Historiker, Pharmazeuten, Sportwissenschaftler und auchVolkskundler( Heidi Müller und Thomas Hauschild).
Das in drei Teile gegliederte Buch bietet einleitend einen geschichtlichen Über-blick über das Verhältnis der Menschen zu ihrem Körper, wobei die Problematik nurkurz angerissen werden kann. Hartmut Galsterer behandelt die Antike in seinemAufsatz ,,, Mens sana in corpore sano'- Der Mensch und sein Körper in römischerZeit“, Knut Schulz zeigt am Beispiel des Rechtslebens, der Entstehung von Ritter-orden, der Körperfeindlichkeit mancher Mönchsorden und des städtisch- bürgerli-chen Badewesens die„, Mittelalterlichen Vorstellungen von der Körperlichkeit“ auf.Arthur E. Imhof beschäftigt sich schließlich mit der„ Unterschiedliche( n) Einstel-lung zu Leib und Leben in der Neuzeit“ an Hand von Säuglings- und Müttersterblich-keit.
Teil II leistet an Hand verschiedener Beispiele einen Beitrag zum umfassendenKomplex„ Der Mensch und sein Körper in der traditionellen Gesellschaft". DerLiteraturwissenschaftler Hans- Gert Roloffbehandelt die Verwendung und Bewer-tung des Körpers bzw. einzelner Körperteile im Sprachgebrauch der älteren
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