Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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bis zur Gegenwart. Geschichte und Eigenart eines volkstümlichen Kunstgewerbes,Berlin 1957) ausbauen konnte. Nach einem kurzen Zwischenspiel auf einem Lehr-stuhl für ,, Westslawische Philologie" an der Universität Halle erhielt Schier 1949 eineGastprofessur für vergleichende Volkskunde in Marburg an der Lahn, wo er mitHermann Aubin und Erich Keyser das Johann- Gottfried- Herder- Institut grün-dete, das sich seither zur bedeutendsten Forschungseinrichtung für die Länder undVölker Ostmitteleuropas entwickelte. 1951 folgte er schließlich einem Ruf an dieUniversität Münster, deren Lehrstuhl für deutsche und vergleichende Volkskundeer bis zu seiner Emeritierung 1972 inne hatte. In Münster begründete er das ,, Volks-kundliche Seminar", trat in Wort und Schrift für die Gründung eines westfälischenFreilichtmuseums ein und war von 1955 bis 1964 erster Vorsitzender des Arbeitskrei-ses für( deutsche) Hausforschung, den er nach dem Krieg mit Gustav Wolf und JosefSchepers ins Leben gerufen hatte. In seinem schönen Heim auf dem Draun, amStadtrand von Münster, mit dem weiten Blick über Felder und Wiesen, fand der,, westfälische Neubürger( Ein Leben zwischen Ost und West- Geburtstagsgedan-ken eines westfälischen Neubürgers aus dem Sudetenland, VierteljahresschriftSudetenland, Jg. 19[ 1977], Heft 4) nun endlich die Ruhe und die Voraussetzungenzu ungestörter wissenschaftlicher Arbeit, die nur durch den Tod des einzigen Sohnes,der mit einem Sportflugzeug abstürzte, dunkel überschattet wurde.

Es fehlt hier der Raum, auf Schiers umfangreiches wissenschaftliches Werk nähereinzugehen. Die von Dieter Sauermann bearbeitete Bibliographie im, Festgruẞß zum80. Geburtstag von Bruno Schier"(= West- östliche Kulturverflechtungen in Mittel-europa, Münster 1982) umfaßt 231 Titel. Doch schon zum 65. Geburtstag hattenGerhard Heilfurth und Hinrich Siuts ihrem Lehrer und Doktorvater eine schöneFestschrift Europäische Kulturverflechtungen im Bereich der volkstümlichenÜberlieferung( Göttingen 1967) überreicht. Man würde Schier aber nicht gerechtwerden, wollte man neben seinen großen Werken die vielen kleinen Aufsätze über-sehen, die gerade in seinem letzten Lebensjahrzehnt etwa in den, Blättern der deut-schen Gildenschaft" erschienen sind und die ähnlich Jacob Grimms KleinerenSchriften den Altmeister der deutschen Volkskunde über allem wissenschaftli-chen Tagesgezänk erhaben als Volkserzieher, Rufer und Mahner in seiner tiefenMenschlichkeit und Weisheit zeigen, wenn er Von den Aufgaben der Volkskundein unserer Zeit"( 1971) spricht oder Zur Rettung des Heimatgedankens für das Er-ziehungswesen( 1976) aufruft. Schier war ein glänzender Redner, der aus einem im-mensen historischen Wissen schöpfte und dem ein nie versiegender Zitatenschatz zuGebote stand. Unvergessen seine Rede vor dem Hof Valepage bei Delbrück 1963,in der er am Beispiel des Reitergenerals Sporck ein farbenprächtiges Bild der deut-schen Geschichte des 17. Jahrhunderts entrollte, zu Herzen gehend seine Abschieds-rede auf der Hausforschertagung 1977 in Salzburg, in der er seiner Liebe zu Öster-reich so ergreifenden Ausdruck verlieh.

Das Wirken Schiers wurde vielfach ausgezeichnet, so durch die Mitgliedschaft derSächsischen Akademie der Wissenschaften( 1942), der Deutschen Akademie derWissenschaften Prag( 1943), des Collegium Carolinum( 1961), der Sudetendeut-schen Akademie der Wissenschaften in Münster( 1980). 1973 war ihm der Georg-Dehio- Preis der Künstlergilde Eẞlingen, 1976 das Bundesverdienstkreuz am Bande,1978 der Kulturpreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft verliehen worden.Der Verein für Volkskunde in Wien hatte ihn schon 1969 zum KorrespondierendenMitglied ernannt.

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