Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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Mitteilungen

Ein Kröninger Henkeltopf ans Jochberg bei Kitzbühel, Tirol

Mitte August 1984 machte mich die Schwester Oberin des Altersheimes inJochberg bei Kitzbühel( Haus Nr. 4) darauf aufmerksam, daß sie bei Arbeiten imSouterrain in einer Fensterluke ein Gefäß bemerkte, das sie dann vorsichtig heraus-löste. Diese Luke ist, wie die Abb. 1 zeigt, eine rechteckige Ausnehmung in der ausroh belassenen Steinen aufgebauten Längs- Basiswand des Gebäudes; die Ausneh-mung hat man mit vier Holzbrettern ausgekleidet. Die so entstandene Öffnung istso groß, daß der 15,5 cm hohe Topf in waagrechter Lage in sie hineingesteckt werdenkonnte. Auf der Abb. 2 ist die Öffnung durch das darüber gelagerte Brennholz fastganz verdeckt. So wie heute wird die Luke auch zur Zeit des Hausbaues keine licht-spendende Funktion ausgeübt haben; eher ist daran zu denken, daß sie als Luftzu-bringer gedient hat. Da die den steinernen Unterbau abschließende Quermauergleichfalls mit einer Öffnung versehen ist, dürfte die dadurch gegebene Durchlüf-tung zuweilen doch zu stark gewesen sein, weshalb man durch das Einstecken desTopfes eine Verminderung versucht hat.

Der Topf war bei seiner Entnahme aus der Luke noch über und über mit Ruẞ be-deckt, er kam ungereinigt vom offenen Herd an seinen sekundären Verwendungs-ort. Aus rotbraunem, ziemlich feinem Ton angefertigt, zeigt er eine annäherndzylindrische Form mit einer geringen Wandbauchung. Der Rand ist ein typischerKragenrand, der Bandhenkel auf diesem aufgesetzt und an der Wand ohne Einzap-fen befestigt. Die dicken Drehwülste lassen eine ohne große Sorgfalt ausgeführteAnfertigung erkennen. Die Innenfläche ist dunkelbraun glasiert, die Glasur reichtüber den Mundsaum auf den Kragenrand. Der Bandhenkel ist auf seiner Außenflä-che schwach senkrecht reliefiert. Höhe 15,5 cm, Standfläche 10 cm, Mündungs-durchmesser 14 cm, Breite des Bandhenkels am Ansatz 5,5 cm, sonst 2,5 cm( Abb. 3). Mit Zustimmung der Schwester Oberin wurde der Topf der Keramik-sammlung des Bergbau- und Heimatmuseums in Jochberg übergeben.¹)

Formenkundlich bietet dieser Topf nichts Neues, wie die bereits veröffentlichtenBelege vom Fiderialboden( Kirchanger) in Jochbergwald zeigen.²) Zu betonen istaber, daß der Topf aus dem Altersheim keinen Ausgußschnabel aufweist, der Randist mit Ausnahme einiger Abschürfungen ganz erhalten geblieben. Es wäre also mög-lich, daß die Henkeltöpfe ohne Schnabel für andere Zwecke verwendet wurden alsjene mit solchen Vorrichtungen.

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