Beitrag zur Sachvolkskunde
des steirischen Ennsbereiches
Von Karl Haiding
Der obersteirische Bezirk Liezen umfaßt den Ennsbereich unddas Ausseer Land. An Größe erreicht er fast das Burgenland undübertrifft er das Land Vorarlberg.¹) Seiner ererbten Volkskulturnach, die sich trotz der häufig rücksichtslosen Zersiedelung derLandschaft noch am deutlichsten an den Bauernhausbauten kund-tut, ist er keinesfalls eine Einheit. Das obere Ennstal vom MarktHaus bis Gröbming bildet mit dem benachbarten salzburgischenPongau eine eigene Kulturlandschaft. Das obere Murtal ist aufsengste mit Kärnten verbunden, was sich besonders deutlich inMundart und Volkssage äußert. Das untere Ennstal hängt teils mitOberösterreich, teils mit Niederösterreich zusammen. Die einsti-gen Nebenverdienste der Bauern( Holzkohlen, Kohl- und Holzfüh-ren) fielen mit dem Rückgang des Bergbaues aus. Zwischen 1760und 1920 gingen 90 v. 100 aller Hochalmen verloren, ferner überdie Hälfte der sonstigen Almen. Im Zusammenhang mit demÜbergang zur Marktwirtschaft wurden 40 v. 100 der Einzelhöfe zuHuben der Talbauern oder verfielen ganz.2) Nach Ansätzen zurWiederbelebung zwischen 1938 und 1945 trat ein weiterer Rück-gang ein.³) Die wirtschaftliche Benachteiligung der Bauern führtezu einem Abwandern der nicht mehr zu bezahlenden Arbeitskräfteund einer Arbeitsüberlastung der bäuerlichen Familie. Die oft un-begründete Zerstörung von Nahrungsflächen nimmt allmählicheinen für unseren Staat gefährlichen Umfang an. Der heutige An-teil von Rentnern und Pensionisten an der Gesamtbevölkerung hatbereits jenen der in der Land- und Forstwirtschaft Beschäftigtenüberstiegen. Gingen doch mit dem Bau von Forststraßen und derModernisierung des Baumfällens sowie der Holzabfuhr auch für die
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