Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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Zwei Indices erweisen sich als sehr hilfreich, zumal sie auch alle jene Volksbüchernachweisen, die zum Teil nur in Randglossen berührt werden. Und wer sich weitermit dieser Materie beschäftigen will, erhält durch eine Tafel der vorhandenenManuskripte wichtige Hinweise, die über die umfangreiche Bibliographie noch hin-ausführen.

Felix Karlinger

Hartwig Suhrbier, Blaubarts Geheimnis. Märchen und Erzählungen, Gedichteund Stücke. Köln, Eugen- Diederichs- Verlag, 1984, 222 Seiten, zahlreiche Ab-bildungen.

In ähnlicher Ausstattung wie Jack Zipes' Rotkäppchens Lust und Leid( eben-falls bei Diederichs erschienen) liegt nun ein weiterer Band zu einem Märchenmotiv( AaTh 312) vor.

In seiner Einleitung charakterisiert der Germanist Suhrbier das Märchen vomfrauenmordenden Blaubart und der Gehorsamsprobe als Modell der Unterwerfungder Frau, zur Untermauerung des Herrschaftsanspruches des Mannes in einerpatriarchalischen bürgerlichen Gesellschaft. Ausgehend von der Fassung Perraults( 1697) entwickelt er an Hand der verschiedenen Variationen, Aus- und Umdeutun-gen die Wandlung der Gesellschaft, die unterschiedliche Bewertung der traditionel-len Geschlechterrollen, aber auch die Emanzipation des Bürgertums und die Ver-drängung bzw. Bemäntelung unliebsamer Erkenntnisse( ,, Verdrängen und Verges-sen oder weit hinten in der Türkei...").

Anschließend an die detaillierte und umfassende Einleitung folgt eine Anthologieverschiedener Blaubart- Texte. Beginnend mit der Perraultschen Urfassung über dieBrüder Grimm, die allerdings nur in die Erstausgabe ihrer Kinder- und Hausmär-chen den Blaubart- Stoff aufnahmen, Henri de Régniers stimmungsvolle Blaubart-Version und Béla Balázs'/ Béla Bartóks Opernlibretto reicht der Bogen zu H. C. Art-mann und Peter Rühmkorf.

Zahlreiche Abbildungen aus allen Perioden, vom Bilderbogen bis zur Karikatursind ein weiterer Schlüssel zur Faszination, die das Märchen vom Ritter mit demblauen Bart ausgeübt hat und immer noch ausübt. Angenehm wäre es, wenn bei deneinzelnen Texten auch Land und Jahr, aus dem sie stammen, vermerkt wären.( Im-merhin stehen die Jahreszahlen im Inhaltsverzeichnis.)

Eine ausführliche Bibliographie schließt den Band ab.

Trotz alledem muß man in Frage stellen, ob der Blaubart" als, Geschenk, beson-ders von Herren an Damen" im Zeitalter der Emanzipation genauso uneinge-schränkt zu empfehlen ist, wie Trümpy das mit dem Rotkäppchen- Band tut( vgl.SAVK 79, 1983, H. 1-2, S. 110).

Eva Kausel

Georg A. Werth, Maria Gabriel, Emile Rom, Märchentraum der Balearen.30 Märchen aus Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera mit Abbildungen vonMaria Gabriel, Ekkehart Gurlitt und Georg a. Weth. Edition Erpf, Bern undMünchen, 1984( ,, Inselmärchen der Welt, Band I.), 163 S.

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