Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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Lucian Cucuiet, Porţile de şura din zona Codru/ Die Scheunentore im Codru-Gebiet. Verlag Muzeul judeţean Satu Mare. Satu Mare 1980. 59 Seiten, 31 Ab-bildungen.

Die in rumänischer Sprache geschriebene Arbeit von L. Cucuiet leistet einen be-achtlichen Beitrag zur Scheunenforschung. Im Codru- Gebiet( Kom. Satu Mare/Szatmár, Siebenbürgen) bauen die rumänischen und deutschen Bauern solcheScheunen, die an die Diele des niedersächsischen Hauses erinnern. Der Scheunen-eingang befindet sich an der kürzeren Seite und geht auf die Straße hinaus, währenddie Holzsäulen der Seitenwand am oberen Teil bogenförmig sind. Diese gebogenenSäulen erinnern an die westeuropäische Crutch- Konstruktion. Die Scheunebesteht aus drei Teilen, mit der Tenne in der Mitte; die beiden engeren Seitenräumedienen zum Speichern von Getreidegarben oder Heu, auch werden sie als Speise-kammer oder Stall benützt. Gelegentlich werden die beiden letztgenannten Räum-lichkeiten an die Scheune angebaut. L. Cucuiet betont die sehenswerte Ornamentikder Scheunentore: Aus Brettern ausgesägte Blumen und geometrische Figuren wer-den an die Türen genagelt. Bedauerlicherweise vermissen wir den Grundriß derScheunen. Das vorzügliche Buch möchte ich mit der Bemerkung ergänzen, daß dieseScheunen auch in den benachbarten ungarischen Gebieten vorkommen und daß ihreErrichtung, namentlich die Anfertigung der verzierten Scheunentore maßgeblichden Zimmerleuten von zwei deutschen Dörfern( Mérk und Vállaj) zu verdanken istdiese Handwerker gingen von einem Dorf ins andere, um Häuser und Scheunenzu bauen.

Béla Gunda

Roswith Capesius, Siebenbürgisch- sächsische Schreinermalerei. Kri-terion- Verlag, Bukarest 1983, 72 Seiten Text, 76 Zeichnungen und 87 Fotos.Der Name Roswith Capesius ist spätestens seit 1977 in der europäischen volks-kundlichen Fachwelt bekannt, als im Kriterion- Verlag, Bukarest, ihr erstes um-fassendes Buch Das siebenbürgisch- sächsische Bauernhaus. Wohnkultur"erschien.

Anlaß zu unserer Besprechung bietet nun die oben angeführte Neuerscheinungdes Kriterion- Verlags aus der Feder desselben Autors. Es wurde schon seit langem- zumindest in der rumänischen Fachwelt- die Forderung erhoben, eine umfas-sende und dokumentierte Arbeit über die Möbelmalerei als Teilgebiet sieben-bürgisch- sächsischer Wohnkultur zur Hand zu haben. Mit Roswith Capesius' Buchist diese Forderung erfüllt worden. Sowohl durch den Reichtum des Materials alsauch durch die perspektivenreiche Betrachtungsweise des Phänomens Möbel- undHolzmalerei ist die Arbeit bemerkenswert zu nennen. Die Verfasserin behandeltden Stoff in drei großen Abschnitten, wobei der stilistischen Entwicklung der Schrei-nermalerei bei den Siebenbürger Sachsen der größte Raum gewidmet ist.

In einem einführenden Teil wird der Begriff der Schreinermalerei in bezug auf ihredrei wesentlichen Komponenten Holz, Farbe und Ornament geklärt und in großenZügen der Werdegang dieses Kunsthandwerks vom ausgehenden Mittelalter bis zum20. Jahrhundert umrissen. Dabei verengt sich nie der Gesichtskreis: Die Entwick-lung der Schreinermalerei in Siebenbürgen wird des öfteren zur Entwicklung derSchreinermalerei in den anderen europäischen Kulturräumen in Beziehung gesetzt.

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