Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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S. J. van der Molen, Kijk op Boerderijen, 4. Aufl., Elsevier- Amsterdam/ Brüssel1982, 144 Seiten, farbig reich illustriert.

Unter dem ermunternden Titel: Schau die Bauernhöfe an, stellt das Amster-damer Verlagshaus Elsevier nach den Windmühlen, Schlössern und Kirchen imvorliegenden Band die fünf wichtigsten Hauslandschaften der Niederlande vor. SeitProfessor J. H. Gallée in seinem zweibändigen klassischen Hauptwerk über Hetboerenhuis in Nederland en zijn bewoners"( Utrecht 1907/08, 2. Aufl., Zwolle 1978)den ersten umfassenden Überblick geschaffen hat, ist ja auch hier die Hausforschungbeträchtlich vorangetrieben worden und weist mit A. E. van Giffen, R. C. Hekker,S. J. van der Molen, Cl. V. Trefois, K. Uilkema, J. Weyns u. v. a. eine lange Reiheklingender Namen auf. Seit 1945 organisierte man dazu eine eigene StichtingHistorisch Boerderij- Onderzoek", eine Stiftung für historische Hausforschung also,unter deren Obhut große, umfassende Aufnahmereihen und Dokumentationswerkefür einzelne Landschaften zustande kamen, wie etwa das von L. Brandts- Buys fürdie Provinz Nordholland( 1974) oder von Jan Jans für die östlichen Niederlande( 1967).

Der vorliegende schmale Band bietet dagegen nach längerem wieder einezusammenfassende Gesamtübersicht zu den wichtigsten Hausformen der Nieder-lande. S. J. van der Molen hat ihn ebenso umsichtig wie ansprechend und ge-diegen gestaltet. Äußerlich erinnert das Buch vielleicht etwas an die Art amerika-nischer popularwissenschaftlicher und stark geraffter Sachbücher. Es ist durch-gehend in Offset- Farbendruck gehalten und gliedert sich in zwanzig kurze undübersichtliche Abschnitte. Erst beim Lesen merkt man dann, daß hier ein erst-klassiger Fachmann am Werk war, der sein Thema voll beherrscht und einen ebensoschönen wie auch aktuellen Gesamtüberblick über das Bauernhaus, seine Er-forschung und Pflege in den Niederlanden anbietet. Da werden in allgemein-verständlicher Darstellung die Hauslandschaft der Friesen, des niederländischenHallenhauses, des limburgischen Gehöftebaus, die Zeeuwse huisgroep" vonZeeland beschrieben und erklärt(!), dann behandelt van der Molen die ver-schiedenen Wirtschafts- und Nebengebäude, vor allem barg, bijschuur und boo,Giebelzeichen und sonstige Hauszier und leider nur sehr kurz auch Baumaterial undBauweisen. Er geht indessen darüber hinaus auch auf die aktuellen Zeitproblemeein und befaßt sich mit dem Verhältnis zwischen Stadt- und Landarchitektur, mit denBestrebungen zur Erhaltung historischer Baudenkmäler durch Heimatschutz, Frei-lichtmuseen und Denkmalpflege, versucht schließlich auch die Gegenüberstellungvon gestern und heute in Rückschau und Zukunftsaussichten. Abschließend folgtnoch ein Verzeichnis der wichtigsten niederländischen Fachtermini zum Hausbauund ein sehr knappes, aber sorgfältig ausgewähltes Literaturverzeichnis für den, dersich näher informieren will.

Wir haben hier demnach ein fundiertes und in seiner prächtigen Ausstattungäußerst ansprechendes Einführungswerk für den interessierten Laien vor uns, dasjedoch auf den neuesten Stand der Forschung gebracht ist. Ich kenne in der inter-nationalen Hausbauliteratur kein Beispiel, das wie dieses den überlieferten Haus-bestand eines ganzen Landes auch für den Nichtfachmann so übersichtlich und zeit-gemäß darstellt.

Oskar Moser

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