Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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Claude Royer, L'architecture rurale française- Corpus des genres, des types et desvariantes: Franche- Comté( Collection dirigée par Jean Cuisenier, Muséenational des arts et traditions populaires), Berger- Levrault, éditeur( Paris1977). 217 Seiten, Zeichnungen, Pläne, Karten, Fotos, Tabellen, Bibliographie.Was bis jetzt in vier stattlichen Quartbänden zu den Bauernhäusern des( süd-) öst-lichen Frankreich in dieser Form vorliegt, zeigt einen völlig eigenständigen, neuenWeg streng systematischer Dokumentation in der Hausforschung. Mit ihm ist dieFeldforschung in Frankreich bemüht, die ungemein vielfältigen Hausformen diesesgroßen traditionsreichen und kulturell äußerst wechselvollen Landes zu erfassen undnach ,, Gebäudearten, regionalen Typen und deren Varianten darzustellen. Dabeigeht es um insgesamt 23 geplante Bände, von denen hier Band 11( Franche- Comté)und Band 17( Dauphiné) angezeigt werden sollen. Allen Bänden sind in gleicherWeise vorangestellt eine kurze Einleitung zur Geschichte des großen Unternehmenssowie auf wenige Spalten beschränkt programmatische Vorbemerkungen zuTheorie, Terminologie und Typologie der architecture rurale" im allgemeinen;beides stammt aus der Feder von Jean Cuisenier, dem wissenschaftlichen Leiter desUnternehmens innerhalb des Centre national de la recherche scientifique undDirektor des zentralen französischen Volkskundemuseums in Paris, der gleicheingangs erklärt:, C'est un corpus des genres et des types définis d'une manièreanthropologique"( p. 13).

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Auch dieses französische Unternehmen hat freilich eine lange und wechselvolleGeschichte. Bereits in den Jahren 1942 bis 1945, während des Krieges also, hatteman in Frankreich mit einer umfassenden Bestandsaufnahme der Hausdenkmälerbegonnen. Damals stand die Aktion unter der Leitung von Pierre- Louis Duchartreund Georges- Henri Rivière und wurde von rund 50 Architekten betrieben, die für1759 Bauernhöfe jeweils umfassende Einzelmonographien erarbeitet hatten. 1946konnte das Werk im bisherigen Umfang nicht mehr weitergeführt werden. Manmuẞte es mit weniger Kräften wiederaufnehmen, was erst 1969 J. Cuisenier in Parismit seinen Mitarbeitern gelang. Unter diesen stehen zuvörderst wohl Henri Raulinund Claude Royer.

Die ersten Bände zeigen bereits deutlich den dabei eingeschlagenen Weg. JederBand gliedert sich in eine kurze grundsätzliche Einführung in das Editionsprinzipund in einen zusammenfassenden typologischen Einführungsteil, der die histori-schen, ökologischen, ökonomischen und kulturellen Voraussetzungen des Hausbausund dessen regionale Typen behandelt. Ein dritter, topographisch gegliederterHauptteil umfaßt dann die in sich geschlossenen Hofmonographien. Für dasDauphiné sind das immerhin 56, für die Freigrafschaft 28 Beispiele von Bauern-höfen, die in Wort und Bild und mit allem, was jeweils hausbaukundlich belangreichist, beschrieben werden. Mit Hilfe eines einfachen Zahlenschlüssels gewinnt man fürbeide Teile Orientierung und Übersicht, die jeweils durch Kartenausschnitte undÜberblickskarten unterstützt werden. Man kann also beim Studium und der Benüt-zung ebenso von den Hofmonographien wie vom bauanalytischen Teil ausgehen.

Hier ist es weder möglich, die exakten allgemeinen Überlegungen zum Aufbaueiner Typologie des Hausbaus von Jean Cuisenier zu diskutieren, noch lassen sichderen praktische Anwendung und Durchführung am Denkmälermaterial der beidenangeführten Bände im einzelnen hier erörtern. Bedenkt man aber die in Frankreichbisher betriebene Hausforschung, die doch stärker der géographie humaine"

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