Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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,, Wirtschaftsbauten" für die Viehwirtschaft, den Getreidebau, die Kastanien- undWeinkulturen, die Ölgewinnung, den Vogelfang bis zu Brunnen und Waschhäusern,ein Kapitel, das Gschwend mit besonderer Sorgfalt und Liebe ausführt und das fürdie Volkskunde ungemein aufschlußreich ist( S. 157-263). Zu vielem, das da zunotieren wäre( z. B. Stallbauten, Milchkeller, Bienenstände, Kornhisten[, rascane'], Garbenspeicher[, torbe'], Dreschplätze, Stützelspeicher, Getreidemüh-len, Gerstenstampfen, Backöfen) läßt sich kaum Stellung nehmen. Immerhin sinddabei Getreideharfen als typische Trockengerüste im Tessin für das Bedretto-,Leventina- und Bleniotal sicher ausgewiesen. Bei den Stützelspeichern läßtGschwend die runden Steinplatten zwischen Stützel und Bodenkranz nur als bes-seres Auflager für das aufgesetzte Blockgehäuse" gelten( S. 207) und weist dereneinst viel weitere Verbreitung auch im Tessin nach( S. 205 f.). Zu den hier ebenfallsin wenigen Resten nachgewiesenen Flodermühlen mit horizontalem Wasserradwäre bei Abb. 611 und S. 216 zu berichtigen, daß die linksseitige Hebstange" zumFußbalken des Wasserrades nur zur Einstellung des Mahlganges dienen kann, nichtaber, um damit den Läuferstein zum Schärfen abheben zu können; hier wäre aufdie bis heute gebräuchlichen Mühlen dieser Art in Kärnten und auf deren Beschrei-bung von O. Moro, H. Prasch u. a. zu verweisen. Es folgen noch Bauten und Ein-richtungen des ländlichen Gewerbes( S. 255-263) und die anschaulich dargestelltenGehöfte( ,, corti"), deren geschlossenere Hofanlagen zwar die Einzelbauten bewah-ren, aber deutlicher auf einen Innenhof zu orientieren(, cortile con porticato')( S. 264-272). Vermerkenswert dann ebenso Einfriedungen und Zäune( S. 275-277) sowie die schönen steinernen Brücken und Treppenwege des Tessins( S. 279-282).

Den dritten und letzten Hauptabschnitt seines Bandes Tessin 2" widmetM. Gschwend schließlich den Siedlungsformen", die er mit sehr schönen, seltenenLuftaufnahmen siedlungstechnisch und nach ihrer Funktionsstruktur in zahlreichenBeispielen und mit sehr aufwendigen Ortsplänen vorführt. Dabei zeigen die äußer-lich sehr typischen Massendörfer des Tessins gerade in jüngster Zeit durch die Ab-wanderung und Landflucht schon in ihrer Besitzstruktur vielfältige Probleme, derenFolgen für das Leben und für das Ortsbild in diesen Gebirgsdörfern nachdrücklichherausgearbeitet werden. Ein zusammenfassendes Nachwort vertieft für den Leserden Eindruck, daß hier eine Hauslandschaft ganz besonderer Art mit den modern-sten Mitteln der Hausforschung und Dokumentation aufgearbeitet und bis in ihrefeinsten Details, nicht zuletzt aber auch in ihre gegenwärtigen Existenzproblemehinein dargestellt und festgehalten worden ist. In der hervorragenden, vornehmenAusstattung und in seinem inhaltlichen Reichtum ist dieses zweibändige Werk über Die Bauernhäuser des Kantons Tessin" vermutlich einer der schwierigsten, zu-gleich aber wohl auch einer der schönsten bisherigen Teile in der großen Reihe: DieBauernhäuser der Schweiz geworden.

Oskar Moser

R. W. Brunskill, Illustrated Handbook of Vernacular Architecture( sec. edition)( Faber- Paperbacks). Faber and Faber- London/ Boston( 1978). 249 Seiten, reichillustriert mit Zeichnungen, Rissen, Karten und Fotos.

In der Reihe der Faber- Paperbacks ist schon vor einiger Zeit dieser sehr nützlicheund ansprechende Leitfaden zur Volksarchitektur Englands( ohne Schottland und

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